Oceanhorn: Monster of Uncharted Seas – Das war mal Mobile?

Ein Spielkonzept, auf das reine PC-Spieler bisher immer verzichten mussten, war das der The Legend of Zelda-Reihe. Die Traditionsspielereihe von Nintendo zählt zu den bekanntesten, beliebtesten und langlebigsten aller Zeiten, doch bisher wurde jeder einzelne Teil lediglich auf Nintendos eigenen Konsolen veröffentlicht. Zuletzt gelang es höchstens Darksiders, den Flair der 3D-Zeldaspiele auch auf den PC zu bringen. Indiespiele wie beispielsweise Lenna’s Inception versuchen sich seit einer Weile daran, die ganz alten 2D-Zeldas als Inspiration zu nehmen und neu zu interpretieren. Seit letztem Jahr nun arbeitet sich eine iPad-App ins Herz von Zeldafans vor, die von Nintendos Reihe abgewandert sind: Oceanhorn gilt den einen als charmantes Kind der Liebe von The Legend of Zelda: Windwaker und A Link to the Past, anderen als schamloser Klon einer heiligen Serie, die es gefälligst auch nur auf Nintendos eigener Plattform geben darf. Mit Oceanhorn: Monster of Uncharted Seas bringen Entwickler Cornfox & Bros. nun eine verbesserte Version ihrer App auf Steam und zeigen, warum Mobile nicht immer ein schlechtes Fundament für ein gutes PC-Spiel sein muss.

Herzteile gehen immer. Das Sammeln funktioniert auch in Oceanhorn super.

Herzteile gehen immer. Das Sammeln funktioniert auch in Oceanhorn super.

The Legend of Oceanhorn

Bringen wir es hinter uns, damit wir uns auf Oceanhorns eigene Stärken konzentrieren können: Oceanhorn ist ein – manche würden sagen dreister – ziemlich exakter Klon jedes beliebigen 2D-Zeldas. Der Hauptcharakter besitzt ein Schwert, dass wir uns in einem Zelda-typischen Finde-die-Klinge-Tutorial aus einer Kiste erbeuten, ein Schild, mit dem er Angriffe abwehrt und Projektile zurückschleudert, einen kurzzeitigen Sprint, und auch sonst übernimmt er das Upgrade-System der Zelda-Reihe. Sein Leben wird durch Herzen angezeigt, findet er vier Herzteile in der Welt, bekommt er ein Herz mehr Maximalkapazität. Durchquert er Dungeons, findet er Waffen und Gadgets, die alle genau das tun, was auch Link mit genau den gleichen anstellen konnte. Bomben, Pfeile, ein Feuerspruch, eine Sprungmechanik durch Stiefel.
Auch ein Merkmal eines der bekannteren 3D-Zeldateile hat es in Oceanhorn geschafft, und das wurde wohl am prominentesten von allen angeworben. Genau wie in The Legend of Zelda: Windwaker besitzt unser Held ein Boot, mit dem er von Insel zu Insel segelt. Dieses spricht zwar nicht mit ihm und lässt sich auch nicht frei steuern, sondern nur per Karte auf eine feste Route bringen, dafür gibt es jedoch auf See auch ähnlich wenig zu entdecken wie im Vorbild. Immerhin kann man nach kurzer Zeit eine Kanone finden, mit der man lästige Gegner oder lohnenswerte Kisten aus dem Meer schießen kann.

Beim Segeln wird einem immer vor Augen gehalten, wohin es bald gehen könnte. Netter Einfall.

Beim Segeln wird einem immer vor Augen gehalten, wohin es bald gehen könnte. Netter Einfall.

Die Story ist ebenfalls denkbar zeldahaft – nämlich kaum vorhanden und egal. In der Welt von Oceanhorn fand tausend Jahre zuvor ein Krieg zwischen drei Nationen statt: Den Überresten der einen, Arcadia, gehört unser Held an. Dieser Krieg produzierte letztendlich drei gigantische schwimmende Festungen, die den Konflikt schließlich beilegten, selbst jedoch nicht mehr gezähmt werden konnten. Mit der Zeit wurden zwei davon vernichtet, die dritte jedoch, der namensgebende Oceanhorn, treibt weiter sein Unwesen, zerstört Inseln und versenkt Schiffe. Der Vater unseres Helden hat es sich zur Aufgabe gemacht, das mechanische Untier mithilfe der Magie der drei Völker zu vernichten, wurde jedoch umgebracht, bevor sein Sohn das Kleinkindalter verlassen hatte. Dieser, nun fast erwachsen geworden, schnappt sich schlussendlich Schwert und Schild seines Vaters und macht sich mithilfe des Rats eines Einsiedlers auf die Suche, die magischen Amulette aus den sie beschützenden Dungeons zu holen, mit denen Oceanhorn angeblich bezwungen werden kann.

Bewährtes Action Adventure-Konzept

Das gibt dann eigentlich auch schon genug Hinweise auf das wichtigste Spielelement: Die Dungeons. Genau wie in Zelda enthält jeder dieser Dungeons meist ein Upgrade, einen Endboss und ein essentiell wichtiges Story-Item. Ersteres gilt es zu finden und bei zweitem geschickt einzusetzen, um das dritte aufzuspüren und meist einem NPC, der sich als Hüter des Dungeons bezeichnet, unter die Nase zu halten, damit er einem verrät, wo das nächste Teil zu finden ist.
Das Dungeon-Durchqueren läuft dabei ebenfalls ähnlich wie beim Vorbild – allerdings stark simplifiziert. Rätsel beschränken sich stark auf Kistenschieben und Schalter drücken. Keine Gegner, die nur auf bestimmte Weisen zu besiegen sind, keine Wasserstand-Spielereien, keine Unterwasserpassagen (Okay, letzteres ist vielleicht gar nicht so übel). Das wird leider sehr schnell eintönig, und hier bemerkt man die Mobile-Herkunft auch am stärksten. Es sind halt doch immer die gleichen Rätsel, ob man jetzt fünf oder acht Kisten in Löcher schieben muss.

Die Bossgegner sind zwar recht einfallslos, aber doch immerhin nett inszeniert.

Die Bossgegner sind zwar recht einfallslos, aber doch immerhin nett inszeniert.

Dafür fühlt sich jedoch der eigene Charakterfortschritt sehr befriedigend an. Die Werkzeuge, die unser Protagonist in den Dungeons findet oder auch mal in einer Stadt einkauft, sind zwar altbekannt, aber immer noch spaßig. Pfeile lassen sich an Feuerstellen anzünden, Bomben sprengen brüchige Wände und Kisten. Mit einem Schleuderzauber werfen wir Steinbrocken auf Schalter und Gegner und zerbrechen so Schilde. Zusätzlich gibt es jedoch noch ein Zelda-untypisches Erfahrungssystem: Für das Töten von Gegnern und das Lösen bestimmter Aufgaben erhält der Held nicht nur Münzen, sondern auch Erfahrungskristalle. Stirbt er einmal unerwartet (Was wirklich nicht oft vorkommt, denn Kämpfen in Oceanhorn ist ziemlich einfach) erscheint er am nächsten Checkpoint wieder, verliert jedoch ein paar dieser Kristalle. Mit genug Kristallen steigt er ein Level auf, und das wird nicht nur mit einem Achievement belohnt, sondern auch mit ziemlich einschneidenden Mechanikänderungen. Die Kanone fürs eigene Boot gibt es beispielsweise auf diesem Weg nach ein paar Leveln, wodurch die langen, nicht überspringbaren Segelsequenzen ein wenig Abwechslung bekommen.
Zu guter Letzt finden sich auch in Oceanhorn die altbekannten Nebenaufgaben, die in Zelda ihren Anfang nahmen und mittlerweile von GTA bis Mordors Schatten in jedem Spiel mit offener Spielwelt zu finden sind: Minigames. Am prominentesten hier das Angeln, bei dem es verschiedene, unterschiedlich seltene Fische zu fangen gilt, die den erfolgreichen Fischer dann mit einem ganzen Haufen Erfahrung und zusätzlichen Belohnungen versorgen. Und natürlich gibt es auch Sammelaufgaben: In der ganzen Welt verteilte sogenannte Blutsteine, die sich mit genug Muskelkraft aus Wänden brechen lassen und mit denen man Verbesserungen freischalten kann. Obwohl hier keine Entdeckerfreude wie beim spirituellen Vorgänger aufkommt, wird Erkundung doch zumindest ein bisschen belohnt, und das ist keine schlechte Sache.

Ein Hauch von Metroidvania: Erst mal Upgrade finden, dann wiederkommen.

Ein Hauch von Metroidvania: Erst mal Upgrade finden, dann wiederkommen.

Fazit zu Oceanhorn

Kommt Oceanhorn an die Genialität eines A Link to the Past oder die Atmosphäre eines Windwaker heran? Unter keinen Umständen. Aber man sollte dabei nicht aus den Augen verlieren, dass wir es hier mit einem Titel zu tun haben, der über deutlich weniger Budget verfügt als Nintendos Gelddruckmaschine. Für einen Mobileport verfügt Oceanhorn: Monster of the Uncharted Seas über fantastische Grafik und Performance, die Steuerung geht ebenfalls sowohl mit Controller als auch mit Maus und Tastatur gut von der Hand. Oceanhorn ist ein kleinerer, aber mit einiger Liebe gemachter spiritueller Verwandter der alten 2D-Zeldas, und das ist umso besser, weil es davon so gut wie keine auf dem PC gibt. Alte Nintendohasen, die mittlerweile die Plattform gewechselt haben, oder Leute die das Zeldaprinzip schon immer mal ausprobieren wollten, sind hier goldrichtig. Und wer die 3D-Teile der Zeldareihe lieber mag, der kann sich mit Oceanhorn ja schon mal auf A Hat in Time vorbereiten. Zu kaufen gibt es Oceanhorn hier auf Steam, auf gog.com sowie im Humble Store.

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