Beantwortet ihr mir eine Frage?

Als jemand, der sich wohl dessen bewusst ist, dass er zu wenig Leser hat, um mit Kommentaren zu rechnen, muss ich trotzdem diese eine Frage stellen und hoffen, dass ihr mir antwortet: Wenn ihr meine Texte lest, fühlt es sich dann so an, als würdet ihr mich kennenlernen?

Früher habe ich das gedacht. Ich habe wie selbstverständlich eigene Vorlieben in den Text eingebaut. Mich auf ältere Reviews bezogen, um auszudrücken, in welchen Genres ich mich am liebsten bewege. Ich war der Überzeugung, die eigenen Texte machen jeden Schreiber zu einem offenen Buch, zumindest was seine Meinungen angeht. Der hier ist ein Metal Gear-Fanboy. Der hier spielt nur Indiegames, der hier kennt sich besonders gut mit Rennspielen aus. Auf dieser Ebene stimmt das auch. Anhand solcher Vorlieben sucht man sich schließlich auch aus, wessen Reviews man liest oder wessen Videos man sich gerne ansieht. Ich gucke die Videos von Tom und Robin ja, weil sie Indies, japanische Spiele und gute Stories zu schätzen wissen, genau wie ich, oder? Viele Menschen scheinen so zu denken. Gerade jüngere sind anfällig für den Gedanken, nehme ich an, oder wie entstehen sonst Fankulte wie die von Gronkh, DagiBee und wie sie alle heißen. Natürlich besteht da ein großer Unterschied zwischen Video, Spiel und Text. In Textform lassen sich Gefühle und Meinungen weit besser vortäuschen als vor der Kamera. Aber mit genügend Übung geht sicherlich auch das. Niemand kann mir erzählen wollen, dass diejenigen BeaTuber gute Menschen sind, die ihren Profit mit der Dummheit von Kindern machen, egal wie zuckersüß sie sich in ihren Vlogs geben.

Aber ich dachte auch immer, das geht tiefer. Ich dachte, an den Vorlieben, der Machart der eigenen Werke und dem Verhalten dem Publikum gegenüber ließe sich ablesen, was für ein Mensch man ist. Dass die Privatperson Pascal sich in den Texten von FalseShepard ganz klar ausdrückt. Sarkasmus hier, Sarkasmus da, oder? Und ich mag die Produktionen der beiden Jungs von Hooked ja auch und vor allem deshalb, weil ich mich mit ihrem Humor gut identifizieren kann. Weil ich sie sympathisch finde, selbst wenn ich ihre sachliche Meinung nicht teile. Also habe ich sie doch kennen gelernt?

Das „Früher“, von dem ich gesprochen habe, war vor wenigen Tagen. Dazwischen habe ich The Beginner’s Guide gespielt. Das ist das neue Spiel von Davey Wreden, dem Macher von The Stanley Parable. Er selbst kommt darin auch vor. Das hier ist keine Review; ich werde kein Wort zu The Beginner’s Guide mehr verlieren. Ihr solltet es euch hier kaufen, es spielen, und wenn ihr euch dann noch daran erinnert, dass ich das hier geschrieben habe, würde ich mich freuen, wenn ihr mir meine Frage beantworten würdet.

Wenn sich tatsächlich Leute berufen fühlen, hierauf zu kommentieren, würde ich diejenigen gerne belohnen: Ich habe noch einen The Stanley Parable-Key übrig. Im unwahrscheinlichen Fall, dass jemand das noch nicht gespielt hat: Es ist ein großartiger „Walking Simulator“, wie manche sagen würden, mit wohl dem intelligentesten Spielaufbau, dem besten Humor und der raffiniertest versteckten philosophischen Kritik am Leben, die man mit der Source-Engine auf die Beine stellen kann. Unter denen, die sich Gedanken über The Beginner’s Guide hier unter dem Text machen, verlose ich also zufällig einen Key für The Stanley Parable. Shameless clickbaiting? Sure. Aber wen kümmert’s, auf dieser Ebene?

6 Gedanken zu “Beantwortet ihr mir eine Frage?

  1. Ich kann dir deine Frage leider (noch) nicht beantworten, da dies das erste ist, was ich auf deinem Blog lese ;) PS: ich habe mir trotzdem schon The Beginners Guide gekauft und The Stanley Parable habe ich schon ^^

    Gefällt 1 Person

  2. Danke für deinen Beitrag :)
    Würde mich freuen wenn du deine Gedanken zu The Beginner’s Guide teilst, wenn du damit durch bist. Und vielleicht kennst du ja jemanden, der sich über einen Stanley Parable-Key freuen würde, dem du das hier teilen könntest? Das Spiel ist zu gut, als das der Key hier ungenutzt bei mir rumfliegen sollte :)

    Gefällt mir

  3. Bin auch vorhin erst auf deine Seite gestoßen. Hat aber gar nichts mit dem Key zu tun. Gib den ruhig jemand anderem.

    Ich habe zwar „The Beginner‘s Guide“ noch nicht gespielt, nur viel gehört und gelesen (habe also keine Ahnung). Aber klar, ich lerne dich kennen. Auch wenn ich noch nicht viel von dir gelesen habe, sagt selbst das Wenige schon Einiges über dich aus. Das Spiel lässt sich ja noch viel weitertreiben. Nicht nur deine Texte sprechen zu mir, sondern auch deine Website, das Design, die Screenshots, die du für deine Beiträge wählst etc. Für mich ist das aber erst mal nicht mehr als eine Projektion dessen, wer bzw. was du sein möchtest und nicht, wer du wirklich bist. Hinzu kommt, dass das alles nur meine Interpretation ist.

    Wir setzen uns zwangsläufig Masken auf (ob nun bewusst oder unbewusst). Selbst von Menschen, die mir wirklich nahestehen, würde ich behaupten, dass sie das tatsächliche ICH nicht kennen (ich bewege mich jetzt wirklich auf dünnem Eis). Ganz bestimmt habe ich neben der Freundes- und Kollegen-Maske auch noch eine Sohn-Maske an der Wand hängen.

    Um dann doch noch den Bogen zu „The Beginner’s Guide“ zu spannen: Deine Rezipienten bilden sich letztlich eine Meinung über dein Werk, aber auch über dich als Person, die letztlich nie deiner eigenen entsprechen wird. So richtig dramatisch ist das in der Praxis natürlich eher selten, zumindest wenn du damit umzugehen weißt.

    Ok. Das war jetzt sehr spontan und entbehrt wahrscheinlicher jeder wissenschaftlichen Grundlage, aber vielleicht streift es zumindest den Kern dessen, was du im Sinn hattest.

    Beste Grüße
    Benjamin

    Gefällt 1 Person

  4. Das ist ja wundervoll :) Danke für den tollen Beitrag.
    Du hast natürlich absolut recht, was wir online stellen ist immer eine Abbildung dessen, was wir sein wollen. Wissenschaftliche Grundlagen habe ich auch absolut nicht. Ich persönlich denke allerdings, dass wir nie komplett verbergen können, wer wir eigentlich sind. Zu sehr kommen uns da „ehrliche“ Gefühle wie Empathie oder Frustration in den Weg. Gerade an meinen Metal Gear Solid V-Texten kann man denke ich einen sehr ehrlichen Wandel an Emotionen festmachen.

    Bei Videoproduzenten trägt dieser Punkt wahrscheinlich noch mehr. Man muss nicht unbedingt gut schauspielern, um sich vor der Kamera zu verstellen, gerade bei einer Zielgruppe von 10-14 Jahren dürfte es relativ einfach sein, falsche Tatsachen als echt zu verkaufen. Aber wenn ich das Innenleben einer Person nicht in seinem Gesicht vor der Kamera sehe, dann doch in der Art wie er sein Video schneidet, in den Spielszenen die derjenige zeigt und so weiter und so fort. Natürlich gilt auch hier wieder: Im Vordergrund steht, wie derjenige gesehen werden will :)

    Der Umgang damit, wie die Rezipienten einen selbst aufnehmen, kann aber wirklich zu einem großen Problem werden. Da möchte ich jetzt nicht weiter drauf eingehen, solange du The Beginner’s Guide noch vor dir hast. Es fallen mir aber auch reale Fälle ein, etwa der Wechsel der GIGA-Redaktion vor etwa 1,5 Jahren.

    Gefällt mir

  5. Das mit den Auswirkungen kann man natürlich nicht verallgemeinern, das stimmt. Es muss nicht entscheidend sein, ob es hunderttausend Rezipienten mit einer Meinung oder vielleicht nur einen einzigen gibt. Vielleicht reicht auch schon allein die Vorstellung, dass es überhaupt einen Rezipienten geben könnte, um dem Autor sein Werk, aber auch sich selbst infrage stellen zu lassen.

    Das mit den ehrlichen Gefühlen finde ich schwierig. Klar, mag das für dich gelten. Hängt wahrscheinlich auch davon ab, wie du grundsätzlich ans Schreiben herangehst. Ich habe auch oft starke Gefühle, wenn ich spiele, rege mich gerne auf und bin sehr kritisch. Beim Schreiben verpacke ich dann jedoch alles und finde (mal früher, eher später) zu einer passenden Rolle bzw. Perspektive, die meine Meinung präsentiert bzw. mich repräsentiert (das hört sich jetzt aber viel theoretischer an, als es eigentlich ist).

    Gefällt mir

  6. Pingback: Halloween-Giveaway: Victor Vran | indieflock

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s