Von alten Jägern lernt man das Töten

Ich habe mich lange darum herum geschlichen, über die Souls-Serie zu schreiben. Eigentlich verwunderlich, wo ich doch mittlerweile auch im AAA-Bereich so gerne über meine Lieblingsspielserien schwärme, ihnen mein Vertrauen ausspreche und sie anschließend von mir stoße. Bei Demons‘ Souls samt Erben bin ich jedoch stets schüchtern. Das liegt wohl vor allem daran, dass keine andere Serie für mich persönlich so nah an der spielerischen Perfektion liegt und ich daher wohl keine liebere Lieblingsserie habe als eben Souls. Einen imperfekten Text zu Fallout gestehe ich mir so weit zu, wie ich Bethesda auch ein Fallout mit verhunztem Dialogsystem verzeihe. An dem habe ich ja auch trotzdem Spaß. Aber einen nicht nahezu perfekten Text über die Souls-Reihe kann ich mir selbst genauso wenig verzeihen wie ich From Software den Smelter Demon oder die Royal Rat Authority durchgehen lasse. Leck mich, Dark Souls 2.
Perfektion in einem subjektiven Text über die Stärken und Schwächen eines Spiels ist natürlich Quatsch. Gut soll er trotzdem sein. Und nachdem The Old Hunters aus dem etwas zu kurz geratenen, aber dennoch fantastischen Bloodborne ein Meisterstück auf Höhe von Dark Souls: Prepare to Die macht, brennt es mir nun unter den Fingern, meine Meinung loszuwerden. Daher picke ich jetzt in meiner liebgewonnenen Absatzflut einige Aspekte vom Addon zu Bloodborne heraus und erzähle möglichst spoilerfrei, warum ich dem Hunter’s Nightmare am liebsten die Füße küssen würde.


By the Gods, Laurence… Fear it. – Die Verbindungen

From Software sind regelrechte Meister darin, Verknüpfungen herzustellen. Das beginnt offensichtlich beim Weltdesign. Gerade Dark Souls ist berühmt für seine Abkürzungen, die den Spieler nach einer Tortur aus bockschweren Gegnern zurück an die aberwitzigsten Orte führen, die aber architektonisch immer richtig sind. Nachdem Dark Souls 2 diesen Grundsatz mit Füßen getreten hat, war Bloodborne in der Hinsicht absolut großartig. Wer den PS4-Titel gespielt hat, wird sich erinnern, was ich meine, wenn ich „Klinik-Moment“ sage.
So richtig offensichtlich wird Froms Faible fürs Verknüpfen, wenn man sich ihre herunterladbaren Inhalte ansieht. Artorias of the Abyss, das Addon zum ersten Dark Souls, bestand aus der Vergangenheit eines großen Gebiets im ursprünglichen Spiel. Komplett mit maßstabsgetreuer Karte (!), der Kindversion von Bossen, auf die man bereits im Hauptspiel getroffen war, und einer aberwitzigen Anzahl an Charakteren, von denen man vorher schon gehört, die man aber nie gesehen hatte. Die drei DLCs rund um die Kronen der Herrscher in Dark Souls 2 knüpften sich jeweils an das Schicksal eines der großen Endgegner von Dark Souls 2s fragmentierter Welt und versuchten damit, lose Enden zum kläglich zu kurz gekommenen König von Drangleic zu knüpfen. Und Bloodborne? Das nimmt sich Dark Souls, spielt mit der Erwartungshaltung zu Artorias of the Abyss und klatscht sie uns dann kräftig ins Gesicht. Wie auch AotA spielt The Old Hunters in einer Parallelversion eines bereits bekannten Gebiets, diesmal nicht zeitlich versetzt, sondern erzeugt durch den jagdverseuchten Wahnsinn in den Köpfen der namensgebenden alten Jäger. Weil diejenigen meist zur kirchlichen Jägerkompanie gehörten, spielt sich besagter Alptraum also in einer widerlich verzerrten Version des Kirchenhauptquartiers ab, einem der ersten Gebiete in Bloodborne, das ich wie meine Westentasche kenne. Und genau deswegen tappe ich immer wieder in Fallen, deren Existenz ich vermutlich viel früher wahrgenommen hätte, wäre ich ohne Vorkenntnisse in dem Gebiet unterwegs. From Software meistert es, meine Erwartungshaltungen sowohl für den gesamten Zusatzinhalt als auch für die einzelnen Gebiete zu antizipieren und mich basierend darauf richtig ordentlich zu versohlen. Das gilt dann noch einmal umso mehr für die Bosse.

Beasts all over the shop… – Die Bosse

Oh, wie gern würde ich jetzt einfach die Spoilerkanone laden und drauflos feuern; Aber jemandem, der The Old Hunters noch vor sich hat, die Bossgegner zu spoilern, wäre eine Sauerei. Die sind inszenatorisch nämlich fast alle eine Wucht. Versteht sich von selbst und aus dem vorangegangenen Abschnitt, dass die Bosse die eine oder andere Verbindung zu Dingen aus dem Hauptspiel haben, was sie geschichtlich so ungleich interessant macht. Da gibt es etwa einen, der mich unweigerlich an jemanden erinnert, mit dem ich schon einmal geredet habe. Oder einem, von dem ich mich schon im Hauptspiel gefragt habe, was aus ihm wurde, und den freizuschalten mich an die Alptraumversion genau des Ortes führt, an dem ich mir diese Frage zuvor gestellt habe. Hach, ich würd‘ so gerne plaudern…
Die Kämpfe selber lassen dann allerdings ein bisschen zu wünschen übrig. Verbindungen zu bereits Dagewesenem heißen bei From Software oft auch wiedergekäute Modelle oder Spielmechaniken, und auch The Old Hunters bildet da keine Ausnahme. Dieselben geschichtlich super interessanten Bosse, die ich gerade gelobt habe, muss ich nun dafür kritisieren, wie sehr sie Endgegnern aus dem Hauptspiel gleichen. Einer der am besten inszenierten neuen Bosse gleicht spielmechanisch einem der letztem Bosse des Hauptspiels so sehr, dass ich den Kampf aus reinem Staunen verloren habe. Ein anderer ist quasi eine exakte Kopie in Modell und Animationen, wenn auch mit ein paar neuen Spezialeffekten. Das war wie erwähnt schon fast zu erwarten, enttäuscht dann aber doch gerade in Verbindung mit dem absurd hohen Schwierigkeitsgrad mancher Bosse und der daraus resultierenden Zeit, die man mit ihnen verbringt, über alle Maßen. Schade. Immer noch geil, aber schade.

A hunter is a hunter, even in a dream! – Die Welt

In die Welt von The Old Hunters habe ich mich in Teilen ja wirklich verliebt. Wie schon erwähnt basiert ein großer Teil des Addons auf einer verzerrten Version eines bereits bekannten Gebietes, was mich immer wieder in Fallen laufen und kindisch grinsen lässt. Glücklicherweise ist das aber nicht alles, denn die anderen beiden Gebiete sind komplett neu, und gerade das mittlere hat es mir absolut angetan. Ohne in die Details gehen zu wollen: Noch nirgendwo vorher war Bloodborne so krank, verstörend und widerlich für mich. Und das will was heißen, schließlich reden wir hier von Bloodborne.
Abgesehen vom Ekelfaktor hat das besagte Gebiet auch noch einen tollen Gameplay-Wechsel zu bieten, denn anders als die doch sehr horizontalen Wälder, Straßen und Keller von Yharnam handelt es sich hierbei um ein sehr vertikal aufgebautes Stockwerkgebäude, das mich ähnlich wie das allerletzte Gebiet des Hauptspiels zwingt, mit Aufzügen, Treppen und jeder Menge Fernkämpfern zu arbeiten. Und das dritte große Gebiet von The Old Hunters ist so dermaßen schräg und deplatziert, davon möchte ich gar nicht erst anfangen.

Leave the hunting of hunters to me. – Die Waffen

Größte Werbewirkung in Bloodborne haben natürlich stets die Trick Weapons, transformierbare Nahkampfwaffen, mit denen der Großteil der Kämpfe bestritten wird. Von der Waffenauswahl des Hauptspiels war ich schon beim ersten Durchlauf etwas enttäuscht – mehr als je zwei, drei sinnvolle Waffen für Stärke- und Geschicklichkeitscharaktere gab es nicht, der Rest war eher optisch nett als wirklich nützlich. The Old Hunters dagegen hat seine Lektion gelernt und überschüttet mich schon zu Anfang mit neuen Waffen, die mal komplett innovativ sind, mal einen gewissen Kniff vorweisen, der sie von einer ähnlichen Waffe unterscheidet. Die richtig schrägen Waffen gibt es natürlich erst weiter hinten im Addon, wie die aus den Trailern bekannte Simon’s Bowblade. Meine Lieblingsprügel waren dann letztendlich der Kettensägen-Streitkolben Whirligig Saw und die Church Pick, die sich wie mein geliebter Mirdan Hammer aus Demons‘ Souls spielt: Wie eine sehr, sehr schwere Hellebarde. Nie zuvor hatte ich in Bloodborne allerdings das Gefühl, den Zusatzinhalt mit einem anders aufgebauten Charakter noch einmal zu spielen, um die vielen anderen Waffen auch noch auszuprobieren. Super auch, dass The Old Hunters einen weiteren Blood Rock spendiert, mit dem sich eine Waffe aufs Maximallevel aufwerten lässt; damit habe ich die Möglichkeit zwei Hauptwaffen zu führen. Vorher war eine gezwungenermaßen immer schwächer als die andere, wenn ich mir keinen zusätzlichen Blood Rock im New Game+ oder den fürchterlichen Chalice Dungeons besorgt habe.

Tell the little doll I said ‚Hello‘. – Das Fazit

War es die zwanzig Euro Neupreis denn nun wert? Oh ja. Und wie. The Old Hunters bewirft mich mit dermaßen schweren Bossgegnern, dass ich nach Stunden des Sterbens ebenfalls gern Dinge werfen würde. Es recycelt das ein oder andere spielerische Element sowohl in seinen Bossen als auch in manchen Waffendesigns. Doch gerade zu Anfang schafft es The Old Hunters, so perfekt mit meinen Erwartungen zu spielen und sie zu Ängsten zu verdrehen, dass mir am Ende nur die guten Sachen im Gedächtnis bleiben. Nach hinten hin wird The Old Hunters wieder genauso verdreht und irre wie Bloodborne und legt an Ekel noch ein gutes Stück drauf. Wer also Probleme damit hatte, die Geschichte von toten Föten, gegessenen Nabelschnüren und unfruchtbaren Göttern zu verdauen, für den ist der Hunter’s Nightmare tatsächlich ein Alptraum; Es wird eher schlimmer. Wessen einziger Kritikpunkt an Bloodborne aber die geringe Menge an Inhalt war, der findet in The Old Hunters seine Offenbarung, und mehr als eine verflucht geniale neue Waffe, mit der er den neuen Content gern öfter angehen kann. Danke, Fromsoft. Und nach Dark Souls 3 jetzt bitte endlich was mit Weltraum.

2 Gedanken zu “Von alten Jägern lernt man das Töten

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