Sexistische Kackscheisse – Ein Hentaigame-Rant

Ich bin nicht sicher, ob ich es noch unter Forschung für einen höheren Zweck einstufen kann, dass ich Cinderella Escape durchgespielt habe, oder ob mich das mit sofortiger Wirkung zu einem Perversen macht, der sich demnächst die Sakura-Spiele auf die Wunschliste setzt. Fakt ist: Steam wird seit einer Weile von zahllosen Spielen bevölkert, deren einziger Zweck es zu sein scheint, Animebrüste aus möglichst vielen Blickwinkeln zu präsentieren. Dabei ist das Gameplay meist zweitrangig, oft auch gar nicht vorhanden. Visual Novels, insbesondere Dating Simulations bieten sich an. Clicker Games finden Anklang. Aber eben auch Puzzle Games wie Cinderella Escape, die ihre Torture- und Groping-Szenen hinter Schieberätseln verstecken. Denn das Problem an diesen Spielen ist ja nicht, dass ich niemandem gönne, sich an gezeichneten Bildern von Frauen (Und Männern, aber der Fokus liegt da ganz klar auf den Damen) zu ergötzen oder zu erleichtern. Das offensichtliche Problem ist die Objektifizierung ebenjener Frauen, die sich nur für den Spieler oder den männlichen Protagonisten ausziehen. Oder die einfach ‚ungeschickt‘ sind, weswegen ihnen der BH rutscht und die Eiscreme zwischen die Brüste läuft. Weil das nämlich cute ist.
Das noch viel größere Problem ist (für mich) allerdings eines, das in den meisten dieser Spiele auf Steam – meines Wissens nach – (noch) nicht existiert (All diese Relativierungen – aber bei diesem Thema muss man ja ordentlich aufpassen, wie man sich ausdrückt). Ein Problem, das ich bei Cinderella Escape das erste Mal wahrgenommen habe – was mich direkt sehr beunruhigt, denn wenn es eines dieser Spiele auf Valves großer Spieleplattform gibt, können ja jederzeit noch mehr kommen. Denn es geht mir letztendlich um die bereits angedeutete Folter, um das Begrabschen, Vergewaltigen und jede Form sexuellen Missbrauchs. Davor habe ich Sakura Beach samt Familie als harmlose Wichsvorlagen belächelt. Jetzt habe ich den Abgrund gesehen, und er hat zurückgewunken.

Ich nehme an, ich muss der Fairness halber erwähnen, dass Cinderella Escape auf Steam in einer zensierten Ab-12-Version verkauft wird. Das ist aber eher ein symbolischer Akt, denn den Link zum Ab-18-Patch haben die Entwickler selbst in ihrem Steamforum gepostet. Es ist sogar Teil der News, die in der Steam-Bibliothek regelmäßig neben dem Spiel angezeigt werden. „Missbrauch ist Teil des Erlebnisses, genieß‘ es nicht ohne!“ ruft mir Entwickler Hajime Doujin Circle zu. Trotzdem darf das Spiel mit einem USK12-Logo im Steam-Store beworben werden.
Dabei ist Cinderella Escape grade eines der Hentaigames, die eigentlich auch etwas anderes zu bieten hätten. Zugegeben, nichts besonders Gutes. CE ist ein Rätselspiel, bei dem ich die gefangen genommene Cinderella durch einen Kerker bewege. Den Ausgang erreicht sie dabei, indem sie Blöcke verschiebt, zertrümmert und bespringt (Selbstverständlich wackeln dabei ihre Brüste wild, und Kostüme, die noch sexualisierter sind als das zerfetzte Standardkleidchen, gibt es auch).
Ein bisschen ist es wie Catherine, nur ohne dabei so gut zu sein wie Catherine. Oder so viele Mechaniken zu besitzen. Oder überhaupt zu funktionieren. Denn wie man es sich von einem fünf Euro teuren Masturbationsspiel erwartet, ist alles grau, verschwommen und hässlich bis auf die Charaktermodelle der existierenden Frauen. Die Rätsel sind denkbar simpel, das Layout des Puzzleraums meist dasselbe, lediglich Position und Anzahl der Blöcke ändern sich. Und die Fallen im Labyrinth sind so schlecht programmiert, dass man sie entweder zur Hilfe nehmen (Schwingende Beile als Katapulte, etwa) oder komplett ignorieren kann (Aus der Wand geschossene Sägeblätter, die auf halbem Weg einfach verschwinden – der Gang ist aber ganz klar so angelegt, als müsste man sich den ganzen Weg über in Deckung begeben). Ich glaube, in die Achievement-Bildchen von Cinderella Escape ist mehr Arbeit geflossen als in das Spiel selbst.

Zusätzlich zum Entkommen kann sie auch noch ihre beiden Stiefschwestern und ihre Stiefmutter befreien, die ebenso wie Cinderella eingesperrt wurden. Der absolut logische Clou an der Sache: Wenn Cinderella eine der Damen vom Folterinstrument rettet, muss sie selbst deren Platz einnehmen, bis der Strafe genüge getan ist. Dieser dumme Schwachsinn hat dann erst einmal dazu geführt, dass ich die drei Frauen habe hängen lassen. Schweren Herzens bin ich dann aber wiedergekommen, denn der wahre Spaß an CE, der sexuelle Missbrauch, darf natürlich nicht ungespielt bleiben.

Überraschenderweise (oder eigentlich nicht; schließlich ist die zensierte Version ja „ab 12“) beschränkt sich der Missbrauch in der Steamversion allerdings auf nicht-sexuellen, sondern ‚lediglich‘ gewalttätigen. Wenn man es nicht-sexuell nennen kann, dass Cinderella an einem Galgen hängt und wie wild mit den Brüsten und den Beinen wackelt. Um der journalistischen Sorgfaltspflicht Genüge zu tun, habe ich jedoch keine Kosten und Mühen gescheut (lies hier: mir ein Youtube-Video angesehen), um die unzensierten Inhalte zu recherchieren. Ich möchte dazu nicht weiter ins Detail gehen, als dass Ritter sich offensichtlich ihrer Rüstung nicht entledigen müssen, um sexuell tätig zu werden. Zusätzlich gibt es in der unzensierten Version neben dem Galgen auch noch einen spanischen Bock und den elektrischen Stuhl. Einfach weil es geil zu sein scheint, Frauen in Todesqualen zu begaffen.

Sex in Spielen muss nichts widerliches sein. Superlevel hat eine hervorragende Kolumne dazu. Es sollte ebenso keinen Unterschied machen, ob besagter Sex in westlich-‚realistischer‘ oder japanisch-gezeichneter Grafikmontur daherkommt oder ob er Fetische beinhaltet, sofern diese in beiderseitigem Einverständnis angewendet werden. Aber Cinderellas Objektifizierung in Form gigantischer, wackelnder Brüste, zusammengeketteter Hände und Fetisch-Outfits läuft von Anfang an auf nichts anderes hinaus, als sie als perfektes Ziel sexueller Übergriffe für die Männer im Spiel und eben auch den Spieler zu formen. Cinderella wird schlicht und einfach vergewaltigt.

Wird sie? Vielleicht auch nicht! Hajime hat sich ein Meisterstück einfallen lassen, eine Rechtfertigung für alles, was dem Mädchen angetan wird, denn für die Story von Cinderella Escape ist es ganz essentiell, dass das passiert: Denn Cinderella hat eigentlich bereits vor langer Zeit ihre Stiefmutter und -schwestern aus Rache getötet, das Gefängnis ist nichts weiter als ihre Schuld, in der sie ihr Gewissen in Form von Fickrittern und der Geister ihrer Opfer heimsucht. Cinderella will sich selbst dafür bestrafen, um der Schuld zu entkommen. Sie will gehängt werden, benutzt, vergewaltigt, weil sie es nicht anders verdient hat.
Wir haben es hier also mit einer moralisch besser vertretbaren Form von „Die kleine Schlampe hat es doch gewollt“ zu tun. Schlimmer, sie hat es offensichtlich ja sogar verdient. Eine Kombination, gegen die man natürlich nur schwer ankommt, wenn man ein vernünftiger Mensch mit anständiger Diskussionskultur ist.

Glücklicherweise ist es mit meiner Diskussionskultur nicht weit her, daher habe ich den Entwicklern solcher Spiele und denen, die sie ernsthaft gern spielen, ohne zu realisieren, was sie da unterstützen, folgendes zu sagen:

Leckt mich.

Und nun entschuldigt mich, ich muss den neuesten Erguss der Fickbildchensammler auf Steam bespucken gehen.

3 Kommentare zu „Sexistische Kackscheisse – Ein Hentaigame-Rant

  1. Was es nicht alles für einen schändlichen Rotz gibt… Es gibt nicht nur geschmackliche Grenzen, aber die so makaber und mit einem breiten Lächeln auf den Lippen zu übertreten… puh. Da sprichst du mit deinem Rant eigentlich alles notwendige an.

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  2. Spiele (und Filme), die sich diesem (auch für mich eher fragwürdigen) Fetisch widmen, sind aber nun wirklich nicht neu. Sex- & Hentai-Spiele gibt es afaik schon seit den späten 80ern/frühen 90ern, nur waren sie eigentlich bisher immer nur in den dunkleren Ecken des Netzes (und halt offener in Japan) und nicht auf einer bekannten Plattform wie Steam zu finden. Die „Freigabe“ ab 12 finde ich trotz Zensur auch völlig falsch, aber verbieten kann (und sollte?) man solche Spiele auch nicht komplett. Ist ein echt schwieriges Thema, aber obwohl ich selbst kein Anhänger von BDSM und Co. bin, ist mir auch klar, dass der Mensch bei kaum etwas so vielseitig ist wie in seiner Sexualität bzw. den damit verbundenen Fantasien und was manch einer nur ekelhaft findet, das macht einen anderen (oder eine andere) halt total an. Gerade bei Themen wie Vergewaltigung bin ich auch extrem sensibel und kann mir sowas auch in Filmen kaum antun (ich habe bis heute diese furchtbare Szene von Perfect Blue im Kopf), aber solange alles einvernehmlich passiert, kann man den Leuten nicht vorschreiben, wie sie ihre Sexualität auszuleben haben. Was die entsprechende „Fachpornographie“ (und Games zähle ich mal als solche) anbelangt, sollte man natürlich dafür sorgen, dass man diese wirklich nur bei gezielter Suche findet, damit hier nicht ein falsches Bild von einer normalen Praktik entsteht, aber verbieten kann man sie halt auch nicht. Krankhaftes Verhalten wie etwa Pädophilie ist natürlich in keiner Weise zu dulden.

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  3. *(This game does not contain any sexual content.)
    – Hihihihahahaaa… ja, das ist der letzte Satz der Beschreibung zu Sakura Santa.

    Kurz nachdem ich gerade deinen Eintrag hier gelesen und mir gedacht habe, „naja, mir ist davon auf Steam noch nix aufgefallen“, wurde mir Sakura Santa von Steam empfohlen. Das passt ja auch voll in mein Profil, so neben Brütal Legend, Crawl, EU4 und FTL… nein, ernsthaft, ich habe nicht mal irgendwelche JRPGs, nicht einmal Hatoful Boyfriend… und Sakura Santa scheint mir mit knapp 200 Rezensionen nicht gerade „hot“ (im Sinne von beliebt) zu sein. Warum empfiehlt mir Steam diesen Mist (den sogar offenbare Stammkunden als „schon wieder denselben Scheiß“ bezeichnen)?*

    Wie auch immer, es gibt tatsächlich nichts gegen Vorlieben anderer einzuwenden, solange sie Dritte nicht belästigen. Bei Spielen und Spielern stellt sich nun doch seit längerem (nach den wissenschaftlichen Glanzstunden der „Killerspiele“-Diskussionen) die Frage, inwiefern sexistische Inhalte das Geschlechterbild prägen. Da sich unter unseren Gamer-Kollegen** doch auch einige befinden, die nicht gerade für ihre Wertschätzung des anderen Geschlechts (als Menschen) bekannt sind, habe ich da ein etwas mulmiges Gefühl…
    … und wenn manche dieser Spiele dann auch noch so weit gehen, die übelsten der gängigen sexistischen Entschuldigungen für menschenunwürdige Behandlung zu reproduzieren („die hat’s nicht anders verdient“…), dann ist das nichtmal nur für USK 12 bedenklich. Das hat auch nicht mehr viel mit BDSM zu tun, was doch i.d.R. unter gleichgesinnten praktiziert wird, sondern geht eher in die Richtung, sexuellen Mißbrauch als gerechte Strafe darzustellen. – Wenn nicht schon viel zu viele genau so denken würden! („Selber schuld, wenn sie sich so anzieht / so verhält / ihre Ehre befleckt hat…“) – Und wenn es nicht immer so selbstverständlich Frauen betreffen würde… :/
    (Auch das ist bei BDSM besser.)

    *) Nein, nicht die Kommentare zum Spiel lesen… dann doch lieber auf FB über Politik diskutieren.
    **) Tatsächlich sind Frauen hier nicht mitgemeint, sonst würde ich’s schon schreiben.

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