Toasterkompatibel #1

Weihnachten zuhause bei der Familie ist toll, wenn man normalerweise weit weg wohnt. Man sieht Leute wieder, die man ewig nicht getroffen hat, man wird mit Unmengen leckerem Essen bekocht und generell freuen sich alle, einen zu sehen. Aber irgendwann ist es spät abends, die Familie ist im Bett und man hat nichts mehr zu tun. In diesen Momenten möchte man eventuell Videospiele spielen, bis einem auffällt, dass man seinen Rechner oder seine Konsole nicht dabei hat. Vielleicht hat man ja seine PlayStation Vita mitgebracht, aber jeder verträgt nur ein gewisses Maß an Japano-Crazyshit. Die Chancen stehen natürlich immer gut, dass man seinen Laptop mitgebracht hat. Problem: Die Gurke schafft ja noch nicht einmal Netflix.

Ja, mein Laptop ist echt mies. Aber hey, umso schöner, wenn ich dann Spiele finde, die zuverlässig darauf laufen. Die müssen natürlich einen ganzen Katalog an Kriterien erfüllen: Winzig müssen sie sein, weil der eingebaute Speicher gerade so für die Windowsinstallation reicht. Genügsam müssen sie sein, weil das Waffeleisen weder über nennenswerte Rechenpower noch über einen Lüfter verfügt. Hektisch sollten sie ebenfalls nicht sein, denn wenn das Bild einmal einfriert oder ich den Laptop zuklappen muss, soll mir nichts verloren gehen.
Nachfolgend also die ersten drei Einträge einer Reihe, die ich in sehr unregelmäßigen Abständen fortzusetzen gedenke: Spiele, die von Konzept und Anforderungen perfekt geeignet sind für magere Laptops, Netbooks und eventuell sogar Tablets. Möglichst aktuelle, denn dass Zork auch auf Eierkochern läuft, versteht sich von selbst. Toasterkompatible Unterhaltungssoftware eben.

Militia

Den Anfang macht ein Spiel, dem ich seit einer Weile eine Review widmen will, an dem aber einfach nicht genug dran ist, um eine ganze Seite zu füllen. Militia ist ein Rundenstrategiespiel in Schachoptik, bei dem ich Kriegerfiguren steuere, um gegnerische Figuren aus dem Spiel zu nehmen. Wie beim Schach hat dabei jede Figur, ob meine oder die gegnerische, bestimmte Bewegungsmuster. Reiter etwa müssen ziehen, bevor sie angreifen, haben jedoch durch ihre Speere hohe Reichweite. Bogenschützen dagegen entsprechen Türmen beim Schach und besiegen alles, was ihnen horizontal oder vertikal in gerader Linie ungeschützt entgegen steht. Töte ich alle mit Stern markierten Offizierseinheiten eines Bretts, gewinne ich die Runde. Drei aufeinanderfolgende gewonnene Runden bescheren mir einen Gesamtsieg. Verliere ich in einer Runde all meine Krieger, verliere ich das Match. Militia verfügt über zwei Modi, Light und Dark, die mir jeweils andere Figuren und andere Gegner gegenüberstellen. Einen Multiplayer gibt es leider keinen, was sich gerade für einen Hotseat-Modus in langweiligen Vorlesungen doch sehr angeboten hätte. Dennoch schafft es Militia, mich immer wieder dazu zu bewegen, nur noch eine Runde zu spielen. Wie gut sich dieser Vorsatz einhalten lässt, wusste schon Sid Meier.

Militia auf Steam

Palm Kingdoms 2

Irgendwie umgehe ich mit Palm Kingdoms 2 meine eigene Regel gegen Retrogames. Denn das kleine Strategie-RPG ist eigentlich ein detailgetreuer Klon der alten Heroes of Might & Magic-Spiele. Trotzdem habe ich mich Palm Kingdoms 2 mehr Spaß als jemals zuvor mit einem der M&M-Titel. Vermutlich schon allein deshalb, weil nicht Ubisoft auf der Packung steht. Es steckt so viel Liebe zum Detail in dieser kleinen, pixeligen Hommage, dass ich den mickrigen Preis tatsächlich gar nicht nachvollziehen kann. Städtebau, verschiedene Fraktionen und das Steuern des Helden auf der Übersichtskarte funktionieren hervorragend, die Grafik ist in meinen Augen sehr angenehm. Das lässt ich vermutlich alles daraus zurückführen, dass der Entwickler sich keine Gedanken um das Konzept machen musste und umso mehr Zeit für alles andere hatte. Einen Hotseat-Multiplayer hat das gute Stück natürlich auch. Palm Kingdoms 2 ist der perfekte Kandidat für diese winzige Ecke an Spielen auf dem Laptop, die man nie löscht, weil man es über die Monate hinweg immer wieder startet.

Palm Kingdoms 2 auf itch.io

sundogs

Für all diejenigen, die mit Sunless Sea, Fallen London, 80 Days und Sorcery! Etwas anfangen können, ist sundogs das gefundene Fressen. Im Prinzip ist sundogs ein Choose your own Adventure-Buch, oder eine Art Text Adventure, bei dem ich den nächsten Schritt bestimme, indem ich mir das nächste Ziel aussuche. Was sundogs an Grafik fehlt, macht es an hervorragend geschriebenem Text wieder wett. Allerdings braucht es wie bei den meisten Vertretern dieses Genres ziemlich gute Englischkenntnisse, um mit der Geschichte mitzuhalten. Zu entspannender Ambientemusik klicke ich mich durch die toll geschriebenen Hintergründe, vergeblich auf der Suche nach einem Storystrang, aber trotzdem voller interessanter Geschichten. In sundogs ist der Menschheit längst die Besiedelung anderer Planeten gelungen, und auch der Tod ist kein Hindernis mehr. Personen definieren sich nur noch über ihren Geist, beim Sterben wird der Charakter einfach in einen neuen Körper geladen. Entsprechend sorglos kann ich mich auch durch die Gefahren des Sonnensystems klicken, im schlimmsten Fall verliere ich höchstens meine Modifikationen bis zur letzten Speicherstation. Wer gern ließt und keine durchgehende Story braucht, um die Konzentration zu behalten, der wird hier Spaß haben.

sundogs auf itch.io

Ein Gedanke zu “Toasterkompatibel #1

  1. Pingback: Toasterkompatibel #2 – indieflock

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