Die Jagd nach der goldenen Ananas

Fast jeder Mensch hat irgendein Ziel im Leben. Wonach man strebt, ist allerdings bei jedem unterschiedlich. Im Fall der Spieleindustrie hat man sich wohl irgendwann überlegt, dass man dem Spieler mehr Anreiz zum ausdauernden Zocken geben muss und etwas erdacht, bei dem ich bis heute noch nicht weiß, was ich davon halten soll: Achievements.

Das erste Spiel, bei dem ich bewusst das Vorhandensein von Achievements erlebt habe, war Anno 1404, eines meiner Langzeit-Lieblingsspiele. Dabei waren sowohl einfache Achievements (etwa „Produziere 500t Gewürze in einer Partie“), die man während des Spiels meist so oder so erreicht hat, als auch herausforderndere Achievements (etwa „besiege Leif Jorgensen nach spätenstens 2 Stunden“) und zusätzlich noch Kombi-Achievements vorhanden. Dazu kamen sogar noch versteckte Achievements (etwa „benenne dein Schiff Nostromo“). Da ich bei Anno immer nach Perfektion strebte und einen Rekordversuch, bei dem ich möglichst viele Einwohner auf eine Karte packen wollte – unter Zuhilfenahme von Exceltabellen und perfektionierten Bauplänen – nur aufgrund mangelnder Rechnerleistung schon vor der totalen Bebauung aufgeben musste, stachen mir diese Achievements auch irgendwann ins Auge, und so begann ich systematisch zunächst die einfachen Errungenschaften zu meistern, bis ich mir später auf einem Notizblock diejenigen aufschrieb, die mir noch fehlten, um sie im Stil einer To-Do-Liste abzuarbeiten. Während ich das tat, stellte ich mir allerdings mehrfach die Frage, warum ich das gerade mache. Eigentlich ist es ja stupides Grinden – eine Mechanik, die ich bei Spielen eigentlich nicht wirklich schätze. Ich habe versucht es mir so zu erklären, dass es wohl am ehesten damit zu vergleichen ist, wenn Zocker sich die Special Edition eines Spiels kaufen, nur um die Verpackung einer Trophäe gleich ins Regal stellen zu können. Sinn hat das keinen, aber man fühlt sich doch irgendwie gut dabei, die eigene Errungenschaft für jedermann sichtbar zur Schau zu stellen.

Dank Plattformen wie Steam wird Achievementjägern sogar eine virtuelle Vitrine geboten, bei der auch andere dabei zusehen können, wie man Erfolg um Erfolg erringt und der Sammelwut erliegt. Zum Beispiel könnte jedermann nun bei mir bestaunen, dass ich im Spiel Z, einem Strategiespiel aus den 90ern, das bei Steam wiederbelebt wurde, tatsächlich 100% der Achievements geholt habe. Klingt super, oder?

Nunja, ob man es nun als „Leistung“ sehen möchte, wenn 16 der 25 Errungenschaften einfach nur daraus bestehen, dass man je eine der 16 verfügbaren Militäreinheiten baut, muss wohl jeder für sich selbst entscheiden, aber es sei gesagt, dass ich für das Erreichen der Achievements tatsächlich läppische 3 Stunden gebraucht habe. Zum Vergleich: Bei Terraria habe ich nach 750 Spielstunden noch immer 4 Achievements nicht erreicht, da ich dazu grinden müsste. Bäh. Und bei meinem Spiel mit den meisten Spielstunden, Minecraft, habe ich nicht mal versucht, alle zu bekommen. Obwohl ich mich bei Terraria ebenfalls bemüht habe, möglichst alle zu bekommen, verspüre ich einfach überhaupt nicht den Drang, dazu eine Tätigkeit auszuüben, auf die ich partout keine Lust habe. Eigentlich waren Terraria und Anno 1404 tatsächlich meine einzigen beiden Games, bei denen ich wirklich versucht habe, die Achievementliste auszufüllen. Die Frage nach dem Warum beschäftigt mich allerdings weiterhin, die Antwort habe ich noch nicht gefunden. Denn selbst, wenn man versucht, sie damit zu beantworten, dass ein Mensch immer nach einem Ziel strebt, denke ich mir, dass doch das Spiel selbst in der Regel viel reizvollere Ziele bietet als eine Auszeichnung. Zum Beispiel seltene Ausrüstungsgegenstände bei Terraria oder möglichst große und schöne Städte bei Anno 1404. Zumindest habe ich den Großteil meiner Spielstunden (bei beiden Spielen zusammen bestimmt gut 2000 an der Zahl) nicht mit der bewussten Jagd nach Achievements, sondern mit dem Spielen wegen des großen Spielspaßes verbracht.

Darum möchte ich heute mal etwas von euch wissen: Wie steht ihr zu Achievements? Motivieren euch diese Errungenschaften oder sind sie euch völlig egal? Habt ihr auch Spiele, bei denen euch die Achievements wichtiger sind/waren als bei anderen? Ich bin gespannt auf eure Meinung!

4 Kommentare zu „Die Jagd nach der goldenen Ananas

  1. Hi!

    Achievements sind etwas, das nebenher passiert. Es passiert kaum, dass ich zielgerichtet auf diese Dinge losgehen. Wie du bereits schreibst, artet das sehr schnell in „ginden“ und „Arbeit“ aus. Muss nicht sein :)

    mfg
    joe

    Gefällt 1 Person

  2. Ich würde ja gern ehrlich hinter dem Satz stehen: „Archievements interessieren mich nicht die Bohne!“ Doch ganz so ist es leider doch nicht…ein gutes Spiel ist mir um Längen wichtiger, als irgendwelche digitalen Orden. Aber ich habe mich schon hin und wieder dabei ertappt, dass ich doch noch dieses eine Item suche, weil ich 89 von 90 habe und bei 90/90 gibt es dann ein Abzeichen für weitere verschwendete Lebenszeit! ^^

    Dennoch passiert das glücklicherweise nicht allzu häufig, weil ich muss schon zufällig irgendwo aufgeschnappt haben, welche Archivements bei welcher Aktion folgen. Proaktiv suche ich die tatsächlich nicht…ich nehme sie nur mit, wenn ich -auch rein zufällig- alle Bedingungen erfüllt habe.

    Das sie mir so wenig bedeuten, hat mir vor allem GTA4 damals klargemacht. Dieses zockte ich sehr intensiv und habe tatsächlich versucht, möglichst alle Archievements bei Games For Windows Live (das war eben der damalige „Kopierschutz“) zu sammeln. Richtig absurd wurde es, als ich online bei GTA4 immer aktiver und auch in verschiedenen Clans unterwegs war. Denn für den jeweiligen Clantag benötigte ich auch immer wieder ein neues GFWL-Profil und jedes startete -natürlich- mit 0 Archievements. Rein für die Außenwirkung als ‚professioneller‘ Claner begann ich jedes Mal aufs Neue die immer gleichen Archievements zu sammeln…

    Belohnt wurde ich, als die GTA4-Onlinezeit zu Ende ging, noch damit, dass GFWL abgeschaltet wurde und alle mehrfach gesammelten Archievements wahrlich für den Popo waren.

    Was ich mit dieser kurzen Anekdote sagen will: Jeder lernt auf andere Weise und hier wurde mir einfach eindrücklich bewusst, wie sinnlos und vergänglich doch dieses Belohnungssystem ist. Nennt mich naiv – den meisten ist schon klar, dass Archievements nicht die Welt bedeuten…jedoch wiegen plastische Erfahrungen mehr als subjektive Ansichten! ;)

    Meist ist es mir also egal wer mich mal wieder für einen weiteren Schritt in einem Spiel belohnen möchte, nur störend wird es, wenn man über erhaltene Archievements mit aufdringlichen Pop-Ups, oder einfach inflationär „informiert“ wird.

    Aufdringlich wohl wie bei No Man’s Sky, mit Musik und alles überdeckenden Einblendungen…oder inflationär wie bei Just Cause 3. Hier wurde man zwar dezent in einem kleinen Kästchen am Bildschirmrand informiert…doch es erschien im 5 Sekunden-Intervall, wen man eben mit was überboten hat, worauf gleich wieder angezeigt wurde, wer im Anschluss wiederum besser war als man selbst. Bei allen möglichen Lappalien. Übrigens ein Grund, warum ich vor dem Starten von JC3 in Steam immer in den Offline-Modus wechselte und lt. Datenbank nur 4 Stunden Spielzeit auf der Uhr habe.

    Lange rede – viel zu kurzer Sinn: Für mich bedeuten Archievements nichts, habe aber auch nichts dagegen. Solange sie optional und dezent im Hintergrund bleiben.

    Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s