Cid für die Hose

Es musste ja irgendwann so weit kommen, dass ich ein Free2Play-Spiel in den Himmel lobe. Und dann auch noch einen dieser Browsergame-Verschnitte mit Ausdauerpunkten. Hilfe, Kupo.

Von Sascha weiß ich ja, dass er gerne dem ein oder anderen Browserspiel frönt. Mit seinem Hang zu Handel und Optimierung bieten sich da Zeittotschläger wie Anno Online, Dark Orbit und all die Excel-Tabellen mit Grafikoverlay ja auch an. An der Formulierung erkennt man vermutlich schon, dass das nicht meine Welt ist. Auch wenn mich ein solches Free2Play-Spiel nicht ständig darauf hinweist, dass ich doch viel mehr Spaß hätte, wenn ich etwas Geld dalassen würde: Ich suche unterbewusst immer nach den Pay2Win-Mechaniken, und auch wenn sie subtil sind und manche Leute sie eher als faire Einkommensquelle bezeichnen würden, fallen sie mir negativ auf. Außerdem brauche ich, um Spaß an der Optimierung zu haben, immer ein Ziel, auf das ich hin optimiere; deswegen greifen RPG-Mechaniken so gut bei mir. Das Maximallevel, die beste Waffe oder der optionale Bossgegner spornen mich an, eine höhere schwarze Zahl unter der Bilanz eher nicht.

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Irgendwie nicht verwunderlich also, dass das eine Mobilespiel, dass mich nun doch gekriegt hat, noch am ehesten als Rollenspiel zu bezeichnen ist, auch wenn das den Bogen in Free2Play-Konzepten natürlich etwas zu weit spannt. Und nicht nur das, es entstammt auch noch einer alterwürdigen Serie waschechter Rollenspiele, die meinen Spielegeschmack in der Kindheit maßgeblich mitgeprägt hat. Umso besser also, dass zu den für mich gut funktionierenden Spielmechaniken auch noch ein großes Maß positive Nostalgie dazu kommt. Die Spieleserie ist natürlich Final Fantasy; der Mobile-Ableger, den ich seit der Open Beta 2015 spiele, nennt sich Record Keeper.

Das Konzept von RK ist perfekt darauf abgestimmt, Nostalgieopfer wie mich abzugreifen: Als Bibliothekar der Archive aller Final Fantasy-Welten ist es meine Aufgabe, die Aufzeichnungen wiederherzustellen, die durch böse Mächte ausradiert wurden. Mehr ins Detail gehen kann ich nicht, weil man von dieser Story dann auch nichts mehr mitbekommt; sie ist den Entwicklern so egal wie mir, es geht letztendlich nur darum die Geschichten der Hauptteile erneut zu erleben. Um das zu tun, rekrutiere ich die Helden aus den einzelnen Teilen, rüste sie mit Waffen aus und erhöhe ihr Level. Während ich das Spiel also mit ein paar Standardklassen aus der Final Fantasy-Reihe in meiner fünfköpfigen Party beginne – Weißmagier, Schwarzmagier, Ritter, et cetera – baue ich mir Stück für Stück meinen Kader aus Cloud, Lightning, Cecil, Auron, diversen Cids und weniger bekannten Gesichtern wie Shantotto, Delita und Strago auf.

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Die Kämpfe, die ich mit meinem Wunschteam austrage, sind meist recht simpel und lassen sich per Auto-Battle abhaken. Das ist auch direkt das einzige, was mir gar nicht passt an Record Keeper: Der viele Leerlauf bis zu den spannenden Kämpfen. Die gibt es nämlich in Form der Bossmonster. In den Dungeons höherer Schwierigkeit ist der Kampf gegen den (ebenfalls aus dem entsprechenden Final Fantasy-Teil bekannten) Endgegner richtig knackig; oft hilft auch keine komplett aufgelevelte Party, wenn sie nicht genau auf die Bedürfnisse des Kampfes angepasst ist. Da entscheidet dann neben der Auswahl des richtigen Helden – schwarzmagisch begabt wie Terra oder Lulu, Heiler wie Aerith oder doch einen Support-Bogenschützen wie Faris? – auch der einzige Zufallsfaktor des Spiels: Die gezogene Ausrüstung. Wirklich mächtige Ausrüstung ist nämlich für bestimmte Helden optimiert und gibt diesen auch entsprechend einzigartige Fähigkeiten. Bezahlt werden diese zufälligen Drops – natürlich mit Echtgeld. Aber halt! Auch ohne Geld muss nicht verzichtet werden. Pro ausgeräumtem Verlies gibt es eine Einheit der Premiumwährung Mythril. Fünfzig davon finanzieren eine Ziehung. Das klingt nun nach viel, aber da es wie in jedem anderem Gratistitel tägliche Einloggboni gibt, lässt sich das zwei- bis dreimal im Monat erreichen. Der Zufallsfaktor kann dennoch zu Frust führen; es gibt keine Garantie, überhaupt ein Qualitätsitem zu kriegen. Umso höher dann das Glücksgefühl, eine einzigartige Waffe für Cloud & Co. zu bekommen.
Und hat man einmal einen Haufen solcher, verbringt man mindestens genauso viel Zeit im Ausrüstungsmenü wie im Kampf. Denn der Organisations- und Optimisierungsanteil des Taschen-RPGs ist dennoch nicht gering. Da gilt es die Waffen aufzurüsten und zu kombinieren, die Feinheiten der Helden mit Spezialisierungen zu modifizieren und vor allem Fähigkeiten zu erschaffen und die Anzahl ihrer Nutzungen zu erhöhen. All das benötigt Ressourcen, die sich wiederum durch das Bezwingen der Dungeons erringen lassen. Ein durchtriebener Teufelskreis also, der anspornt, immer weiter zu machen; bei mir funktionierts. Schade nur, dass Record Keeper dauerhafte Internetverbindung von mir möchte, obwohl es so gut wie keinen Teamaspekt gibt; das machen andere Free2Play-Spiele mit Clans, PvP und Handel dann doch besser.

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Ich gebe es gerne zu: Auch wenn ich das Spielsystem von Record Keeper im Gesamten sehr sympathisch finde, so lange hätte mich das Spiel nicht gehalten, wenn ich die Charaktere, Monster und Umgebungen nicht aus den Hauptteilen kennen würde. Die frisch gepixelten Versionen der altbekannten Objekte und Personen sind toll gemacht und voller Details. Auch die Wesen aus den neueren Teilen, für die es keine Sprites, sondern pompöse 3D-Modelle als Vorlagen gibt, sind exzellent umgesetzt und kennt man die Vorlagen, erkennt man die entsprechenden Viecher auch wieder. Um diesen Effekt zu verstärken, gibt es zwei mal im Monat ein Event, dass sich einem bestimmten Abschnitt eines bestimmten Final Fantasy-Teils widmet; wenn es dabei um meinen Lieblingsgegner in FF V geht oder um den coolsten Dungeon von FF X ermuntert mich das nur umso mehr, alle Belohnungen zu erspielen und meine Lieblingshelden damit zu verbessern. Im Umkehrschluss heißt das vermutlich aber auch, dass jemand ohne jegliche Final Fantasy-Sympathien so überhaupt nichts mit Record Keeper anfangen können wird. Das finde ich tatsächlich ein bisschen schade, weil unter der tollen Pixeloptik eben auch noch ein gutes Gratisspiel steckt.

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