#52Games – Verrat: Killing Games

Die erinnerungwürdigsten Erlebnisse aus The Elder Scrolls: Oblivion abseits von selbsterlebten Bugs und fragwürdiger künstlicher Intelligenz entspringen wohl zweifelsohne der Dunklen Bruderschaft. Die berüchtigte Reinigung des Heiligtums durch die Schwarze Hand – Der Massenmord an den Assassinen durch ihre Oberen – ist selbst ideale Verkörperung des Verrats, doch hier soll es um eine wesentlich frühere Mission gehen: Eine festliche Zusammenkunft mehrerer einflussreicher Adliger im Anwesen eines spendablen Gastgebers; darunter ein unbekanntes Gesicht, der Held von Kvatch, Protagonist des Spiels. Die Mission trägt den wundervoll simplen, perfekt passenden Titel Wer war’s?. Die Türen fallen ins Schloss und öffnen sich erst wieder, wenn der Held als letzter noch steht. Ein Killing Game ist eröffnet.

Was das Spannende an Killing Games ist, steckt schon im Namen. Konstellationen wie „Sechs Fremde in einem Raum, nur einer verlässt ihn lebendig“ machen aus dem Töten, einem grausamen, amoralischen Akt, ein Spiel. Ein Spiel mit den einem solchen üblichen Gratifikationen: Spannung, Fortschritt, Belohnung. So wie The Tomorrow Children die abwechslungslose, körperliche Arbeit (des Charakters und des Spielers) zum Spiel macht, so üben Escape Games diese Gamification auf das Töten und Getötetwerden aus. Die Anwendung der eigenen Fähigkeiten, sei es zum Töten selbst oder zum Überleben des Massakers führt im besten Falle zu Erfolg; die stetige Ungewissheit, ob der Erfolg eintritt, hält die Spannung. Mit jedem Tod oder gescheiterten Mordversuch schreitet das Spiel voran: Es werden weniger Mitspieler, der Kreis der Verdächtigen verengt sich, zwischenmenschliche Beziehungen werden teils auf die Probe gestellt, teils zerrissen. Und am Ende geht eine Person mit dem Sieg, der universell anerkanntesten Belohnung davon. Sei es, weil er überlebt oder weil er seine Tötungsmission vollendet hat.

Verrat kommt da ins Spiel, wo die Unsicherheit einzieht: Ist der Mastermind, der Strippenzieher, der Killer einer von uns? Diejenigen Konstellationen, bei denen diese Frage mit Ja beantwortbar ist, sind ohne Frage die interessanteren. Oblivion eben, wo der Mörder – der ‚Held‘ von Kvatch – mit fünf Opfern im Herrenhaus eingeschlossen ist, die einer nach dem anderen fallen, bis sie sich gegenseitig an die Kehle gehen. Schon die bloße Vermutung reicht aus, um Misstrauen zu erwecken und Fronten zu bilden: Ist Zero, Mastermind der Nonary Games in der Zero Escape-Reihe, einer der neun eingesperrten Protagonisten? Wer steckt hinter Monokuma, dem ferngesteuerten Schulleiter-Roboter in Danganronpa? Die Möglichkeit, den Fädenzieher unter den Mitstreitern zu finden ist vor allem deshalb so aufreibend, weil es die Distanz zwischen Täter und Opfer minimiert. Einer unter Gleichen, ununterscheidbar von außen, aber mit der kompletten Kontrolle über das Geschehen; der primus inter pares in desaströsester Form.

Die Angst sorgt zuweilen sogar für weitere Morde. Eben wie in Oblivion, wo sich die letzten beiden Überlebenden nach sorgsamer Planung des Protagonisten gegenseitig töten wollen. Die Überzeugung, das Gegenüber müsse der Mörder sein, treibt Verzweifelte zu schweren Entscheidungen. Teilweise reicht schon der bloße Verdacht aus, um einen Mord ‚zur Sicherheit‘ zu rechtfertigen. Danganronpa spielt mit diesem Gedanken, den vermutlich jeder in einer solchen Situation in Betracht ziehen würde, indem es den Überlebenden nur einen Versuch lässt: Nach kurzer Untersuchung der Mordszene muss per Mehrheitsbescheid der Täter bestimmt werden. Trifft es den Falschen, wird die gesamte Gruppe hingerichtet – bis auf den Mörder. Beste Basis also, um als kurzfristig zum Mörder gewordenes Gruppenmitglied Zwietracht und Zweifel zu sähen, um vielleicht diejenigen in Verruf zu bringen, die dem Gruppenwohl allgemein nie besonders zugeneigt waren.

Im Prinzip kann ja Verrat nur da stattfinden, wo vorher Vertrauen war. Aber in Extremsituationen wie dem möglichen bevorstehenden Tod verfällt so manch einer nur allzu leicht in Grüppchenbildung mit den verträglicheren Mitgliedern der anderen Opfer. Und dass sich hinter deren Fassaden eben doch mehr und blutigeres Verstecken kann als angenommen, macht das Thema Killing Games doch gerade erst so interessant.

#52Games ist ein Blogprojekt von Zockwork Orange, das jede Woche ein neues Thema vorgibt. Das dieswöchige Thema lautete ‚Verrat‘.

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