Leaving Lyndow: Verlassen, aber nicht verloren

Wie so manch anderer, der die Fahne für Spiele als wichtiges Kulturgut im Allgemeinen und Indiespiele als Schätze im Besonderen hochhält, neige ich vermutlich zur Überhöhung. Manche, viele, Spiele haben eine Botschaft, die es sich zu erkennen lohnt und über die ich dann auch schreiben möchte. Manchmal finde ich ein Spiel so toll, dass ich ihnen einfach viel mehr zutrauen möchte als sie sich selbst. Dann schreibe ich, spekuliere, mache mich vielleicht auch ein bisschen zum Hirsch.
Leaving Lyndow bringt mich nicht in diese Verlegenheit. Es ist klein, bescheiden, wunderschön und macht von Anfang an klar, was es sagen möchte: Es geht um Abschied. Nicht um den Tod, nicht um Leid oder Krankheit, sondern ums Weggehen, ums Lebewohl sagen. Lyndow zu verlassen, die Heimatinsel, die verschlafen und idyllisch mitten im gefahrvollen Meer zu liegen scheint, verspricht Aufregung, Abenteuer. Der Preis dafür ist, Mutter und Onkel zurück zu lassen, die Wälder der Kindheit, die Freunde im Städtchen. Nostalgie stellt sich ein ebenso wie Zweifel, aber am Ende kann nichts die Aufregung beim Anblick der sich im Wind blähenden Segel ersticken. Ob die angehende Seglerin, um die sich Leaving Lyndow dreht, zurück kehren wird, ist ungewiss, aber sicher nicht unwahrscheinlich. Es sind doch nur drei Jahre, wird der Onkel beschwichtigt; Ich sterbe nicht, ich kann schwimmen, dem kleinen Cousin versichert.

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Ich frage mich, wem der Abschied schwerer fällt. Ihr, weil sie all die schönen Orte zurück lässt und ihre Familie vermissen muss, oder mir, weil Leaving Lyndow ein so furchtbar schönes Spiel mit hinreißenden Panoramen ist, dass ich voranschreiten und – letztendlich – davonsegeln möchte. Immerhin kann sie in drei Jahren zurückkommen und neue Geschichten erleben. Ich kann das Spiel wiederholen, die halbe Stunde gönne ich mir gern noch einmal. Aber die Erinnerungen und Eindrücke bleiben dieselben, und auch wenn sie immer noch wunderschön sind: Irgendwann ist es genug und ich muss Abschied nehmen.
Zumindest bis zum nächsten Spiel. Denn in Eastshade, dem eigentlichen Projekt des gleichnamigen Entwicklers, ziehe ich als Maler durch die Welt und halte all das auf ewig in Farbe fest, was ich in der Natur Lyndows schon so entzückend fand, konserviert für andere und hoffentlich für die Ewigkeit. Also eigentlich wie jetzt auch. Nur mit Pinselstrich statt Tastendruck.

Leaving Lyndow gibt es auf Steam und itch.io zu kaufen.

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