Vertrauen ist optional

Eines der weniger spaßigen ‚Features‘ von Visual Novels, die eine komplexe Story in kleinen Happen und mehreren Enden präsentieren ist die Unart, weite Teile der Story immer wieder wiederholen zu müssen. Oft wird das mit unterschiedlichen Wahlmöglichkeiten zu kompensieren versucht, die manchmal durchaus schwerwiegend und integral fürs Erreichen eines neuen Endes sind, manchmal aber auch nur ein wenig neuen Geschmack in ein ansonsten gleichbleibendes Gespräch bringen sollen. Selten einmal werden nette Twists in ein solches Konzept eingebracht, etwa wenn sich unerwartet Dinge im Spielverlauf ändern, obwohl ich als Spieler genau das gleiche gemacht habe wie zuvor auch – Die Zero Escape-Reihe ist hierfür wohl von allen bekannten Visual Novels am ehesten berühmt.

IntraSystem

Intra-System: Trust Issues ist in seiner Spielweise der Visual Novel enorm ähnlich. Mit Ausnahme dessen, dass es keine Visuals gibt, sondern das Spiel bis auf eine karge Computerschnittstelle komplett über Audiobotschaften funktioniert. Es ist in dieser Hinsicht also irgendwie Begründer eines Audio Novel-Genres, in dem es vermutlich beinahe allein dasteht. Dafür will ich es loben. Intra-System ist mir in seiner Art komplett neu, obwohl ich Bausteine wiederzuerkennen scheine, und das fängt mich ein, hält mich interessiert. Das, und die durchaus spannende Grundfrage hinter dem ganzen Spiel.

„Wem kann ich trauen?
Der fremden Stimme aus dem Headset, die mir bisher keinen Grund gegeben hat, ihr zu misstrauen?
Der fremden Stimme aus dem Headset, die mich einmal hat ins Messer laufen lassen – mir aber versichert hat, dass es ein Unfall war?
Meinen eigenen Augen? Der Umgebung? Kann ich selbst herausfinden, was ich wissen muss?“

Intra-System: Trust Issues ist ein auditiver Escape Room, in dem ich mir bis jetzt nicht sicher bin, ob ich Mastermind oder Flüchtender bin. Der Sprecher, den ich höre – wahlweise komplett Englisch oder Deutsch, ich entschied mich ob des deutschen Hintergrunds der Entwickler SmokeSomeFrogs für letzteres – schafft es trotz Misstrauen und Panik, meine Sympathien zu wecken. Oft genug stelle ich mir die gleiche entscheidende Frage selbst: Wärst du an meiner Stelle, hier vor dem Bildschirm, mit genug Informationen, um dich zu leiten oder zu quälen – hättest du genau so viel Spaß daran, dich schreien zu hören?

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