Utawarerumein-gottwasfüreinname

Während ich auf eine gezeichnete Badeszene mit einer fuchsohrigen Frau und einer gerade so volljährigen japanischen Prinzessin starre, frage ich mich, wie ich hierher gekommen bin. Was habe ich bis dato falsch – oder richtig – gemacht, damit SpielerZwei mir den Link zu Utawarerumono: Mask of Deception mit den Worten „Wäre das nicht was für dich?“ schickte?

Japanische Animebildchen? Brüstebewehrte schüchterne Liebchen in unschuldigen Posen? Männliche Hauptcharaktere, die sich in anderen Ländern mit „I’m a registrated sex offender“ vorstellen müssten? Bin ich das auf Polyneux, der Typ mit den japanischen Wirrspielen, in denen man nur Text liest und Bilder guckt? Dabei entstammt meine Liebe zur Visual Novel doch eigentlich nacktszenenlosen Psychothrillern wie 9 Hours, 9 Persons, 9 Doors und nicht Sakura Dungeon. Außerdem rege ich mich doch genauso gern über sexistische Kackscheiße auf wie jeder andere!


Während ich versuche, diese meine Sinnkrise zu überwinden, indem ich schnell weiterklicke, erinnere ich mich wieder daran, warum ich das überhaupt noch spiele. Utawarerumono: Mask of Deception sieht zwar aus wie eine Visual Novel aus der Fanservice-Ecke, wie sie sich zuhauf auf diversen Erogamer-Seiten und eventuell hin und wieder auf der PlayStation Vita finden lassen, aber eigentlich ist diese Kategorisierung ungefähr so sinnvoll wie Telltale-Spiele als Point & Click-Adventures zu bezeichnen. Klar, es gibt eine Menge Geschichte, spärlich erzählt in sehr vielen Dialogen und ziemlich hübschen Bildern. Aber dazwischen steckt wie in einem Sandwich aus sehr dick geschnittenem Brot mit dünnem, aber leckerem Belag ein völlig anderes Spiel. Ein Taktik-RPG, das man Kennern von Final Fantasy Tactics oder Disgaea überhaupt nicht weiter erklären bräuchte nämlich. Und ein sehr gutes noch dazu. Utawarerumono fährt die volle TRPG-Schiene mit Elementaffinitäten, Charakterleveln, ausrüstbaren Fertigkeiten und sogar Wettereffekten und macht sich nicht die geringste Mühe, diesen kleinen Schatz an den Mann zu bringen. Von den zwanzig Stunden, die ich bisher ins Spiel gesteckt habe, waren vielleicht zwei tatsächlich dem Kampf geschuldet – mit diesen beiden Stunden hatte ich aber mehr Spaß als mit jedem Teil der Disgaea-Reihe bisher oder dem PSP-Ableger von Final Fantasy Tactics.
Das liegt neben dem hervorragenden Kampfsystem, das mich ähnlich im richtigen Moment einen Knopf drücken lässt, um massiven kritischen Schaden auszuteilen, wohl vor allem daran, dass die einsetzbaren Kämpfer zwischen den Kämpfen in langen Dialogsequenzen mit Charakter aufgeladen werden. Der Shakespeare-intonierende dauerbesoffene Hofmagier bewegt sich nicht nur wie Jackie Chan als Drunken Master, er kämpft auch genau so wie er sich durch seine Gespräche charakterisiert: Trottelig, ungenau, aber dafür mit umso mehr Wumms, wenns klappt. Die fuchsschwänzige Apothekerin, die den Hauptcharakter regelmäßig für Dinge züchtigt, die er gar nicht verbrochen hat, tut genau das auch mit ihren Gegnern – und zum Glück sind die Animationen ebenso wie die Zeichnungen wirklich schön gelungen. Kleine Feinheiten wie miteinander plänkelnde Einheiten, wenn ich das Spielfeld unberührt lasse, sorgen für eine belebte Welt, in der ich sonst oft nur statische Ansichten japanischer Mittelalterlandschaften bewundern darf.

Gehalten wird das Interesse, dass die Kampfszenen und die Charaktere in mir geweckt haben, glücklicherweise durch eine recht interessante Story: Wenn ein Hauptcharakter ohne Gedächtnis in einem fantastischen Pseudo-Japan aufwacht, dabei aber einen Krankenhauskittel des 21. Jahrhunderts trägt, dann öffnet das ein Mysterium, das mich anfixt. Das könnte natürlich auch an meiner einfältigen Art liegen. Dafür spricht zumindest, dass ich auch jedes Mal laut auflachen muss, wenn die Genitalien meines Avatars mit heißen Wasser überbrüht oder von völlig fremden Damen beleidigt werden. Es besteht also noch berechtigte Hoffnung darauf, dass Utawarerumono: Mask of Deception aus seinem stereotypischen Fanservice irgendwann einen cleveren Twist hervorzaubert.

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