Münchner Spielszene #2: Talk & Play #1 im Werk1

Am 26. September 2017 fand das aus Berlin stammende Talk & Play-Konzept zum ersten Mal im Münchner Werk1 statt. Ausrichter war die Organisation Games / Bavaria, moderiert wurde das Event von Robin Kocaurek, ehemals Teil des Shift Happens-Entwicklers Klonk Games und nun selbst bei Games / Bavaria angestellt.
Viele Fotos des Events finden sich auf der Facebook-Seite von Games / Bavaria.


Das Übergreifende Thema des Talk-Abschnitts war „Killerspiele, Spielekiller?“. Hierzu hielt Journalist und WASD-Autor Jan Bojaryn einen Vortrag zu seinem 2012 in der Süddeutschen Zeitung veröffentlichten Artikel „Genug Geballert – Gewalt in Computerspielen“. Er diskutierte dabei unter anderem das Argument, dass der Gewaltfokus vieler Blockbuster-Videospiele zur Kreativitätsverarmung führe. Es fehle an großflächiger Streitkultur innerhalb Videospielen (wie etwa das Beleidigungsfechten in The Secret of Monkey Island es schön vorgelebt hat) und es gibt innerhalb der Gewaltanwendung kaum Platz für Subkulturen, in denen sich kreative Problemlösung entwickeln könnte. Konkreter: die Gewalt als ‚einfache‘ Lösung jedes Uncharteds, Fallouts und Tomb Raiders verhindere, dass sich Entwickler und Spieler friedliche oder gar diplomatische Fähigkeiten zur Problemlösung aneignen.
Auf den Vortrag folgte eine Podiumsdiskussion zwischen Bojaryn, Kocaurek und Sandro Odak, dem Online-Chefredakteur der GameStar zum selben Thema. An dieser Stelle hätte ursprünglich ein weiterer Vortrag von Christian Schiffer, Herausgeber der WASD folgen sollen, dieser entfiel leider krankheitsbedingt. Das soll die Podiumsdiskussion jedoch nicht herabwürdigen – bei der Interaktion zwischen Publikum und Podium sowie zwischen den drei Wortführern wurde das Thema der Gewalt in Videospielen noch einmal sehr unterhaltsam aufgerollt. Im Publikum, das viele Spielentwickler enthielt, wurde besonders rege über Abstraktionsformen der Gewalt diskutiert. Besonders viel Zuspruch erhielt der Gedanke, dass sich das Punkte-Schießen eines Destiny 2 oder Borderlands technisch letztendlich mit dem Klicken eines Moorhuhn oder gar eines Cookie Clicker vergleichen ließe – und damit auf mechanischer Ebene als gewaltlos argumentieren ließe.

Auf den Talk folgte Play – mehrere Entwickler stellten ihre Work in Progress-Arbeiten vor, einige davon bereits veröffentlicht oder noch zur Verlöffentlichung bestimmt, andere als Studienprojekt oder Programmierübung gedacht. Darunter fanden sich echte Schätze – beispielsweise Crevice von Scopegoat Interactive, einer Münchner Studentengruppe, die ihr von Gothic und den ersten beiden The Witcher-Teilen inspiriertes Rollenspiel in Vorbereitung auf eine Crowdfunding-Kampagne zum ersten Mal spielbar veröffentlicht haben – der entsprechende Build ist auch auf der Facebook-Seite von Scopegoat zum Download zu finden.

Viel Spaß brachte auch Yacine Salmi von Salmi Games, der das VR-Spiel Late for Work samt Oculus Rift auf der davor als Bühne genutzten Fläche aufbaute. In Late for Work muss ein unter Menschen lebender Gorilla (ganz im Stil von Octodad) schnell durch die Stadt rennen, um nicht zu spät zur Arbeit zu kommen. Leider zerstört er dabei dank seiner Größe ganze Straßenzüge, was das Militär auf den Plan ruft. Late for Work ist ein Multiplayertitel, bei dem der VR-Spieler als Gorilla gegen bis zu drei andere Spieler an gewöhnlichen Controllern kämpft.

Am meisten Zeit jedoch habe ich mit Exotic Matter verbracht, einem an Minecraft angelehnten Worldbuilder mit Erkundungsfokus. Entwickler Florian Frankenberger alias Moebius Games ließ mich die ersten beiden Dungeongebiete samt der offenen Welt dazwischen erkunden. Exotic Matter sticht vor allem durch seine einfache Modbarkeit heraus – das Spiel ist so geschrieben, dass jeder Spieler mit grundlegenden Java-Kenntnissen selbst Blöcke, Gegner oder ganze Dungeons hinzufügen kann. Natürlich darf in dieser Art Spiel auch Crafting nicht fehlen: Durch seinen Science Fiction-Fokus erkämpft sich Exotic Matter hier den Vorteil, dass es sich nicht auf Spitzhacken beschränken muss, sondern mit Lasercuttern und Granaten arbeiten kann, deren Wirkung auf die komplett abbaubare Welt mechanisch bereits jetzt sehr befriedigt. Exotic Matter befindet sich derzeit in Early Acess auf itch.io.

Am 09. November findet zudem das zweite Talk & Dev, das entwicklungsfokussierte Schwesterevent von Talk & Play ebenfalls im Werk1 statt. Die Teilnahme ist auch hier frei und benötigt keine Anmeldung – wenn ihr interessiert seid, kommt einfach dazu.

Dieser Beitrag ist Teil der Reihe Münchner Spielszene, die sich mit Video Gaming, Gesellschaftsspielen und anderer Nerdkultur im Raum München beschäftigt. In dieser Reihe zuvor erschienen:

  • Münchner Spielszene #1: Escape Game Munich – Das Geisterhaus
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