Nostalgie kann was!

Meine Kindheit ist wieder in. Das merke ich ja bereits seit einigen Jahren. Die ersten beiden Generationen von Pokémon existieren auf Mobiltelefonen, Ratchet & Clank hat ein Remake bekommen, alte Nintendokonsolen irgendwie auch. Auch Yooka-Laylee ist so ein Ding, das existiert. Meistens bekomme ich diese Nostalgielawine am ehesten monetär mit. Spin Off-Film, Sammeledition, In App-Purchase, muss ich kaufen, will ich haben. Manchmal kommen dabei tolle Sachen heraus, die weit über den Erhalt alter Schätze für die Zukunft hinaus gehen. Ratchet & Clank etwa ist ein schönes Spiel, dass unabhängig von seinem Remake-Status und dem seltsamen Film existieren kann. Und dann gibt es da Skylar & Plux: Adventures on Clover Island. Ein Spiel, das haargenau in dieselbe Kerbe schlägt, aber wohl kaum so viel Aufmerksamkeit abbekommen hat.

Das Namensschema sagt schon Wesentliches übers Spiel aus: Inspiriert von Ratchet & Clank, aber vor allem von Jak & Daxter bauen Entwickler Right Nice eine schnuckelige kleine Welt auf, die per dreidimensionalem Hüpfen erkundet werden darf. Die Struktur des Ganzen könnte sich dabei kaum mehr an Jak II orientieren: Gefangen auf der Raumstation des bösen CRT findet sich die namensgebende Skylar wieder, durch ein Experiment ihres rechten Armes beraubt, der nun durch eine Cyborgwaffe ersetzt ist. Selbstverständlich bricht sie aus und kämpft sich mit Wirbelattacke und Ground Dive zur nächsten Rettungskapsel, die sie auf Clover Island ausspuckt und dort in die Arme von Plux treibt, einer kleinen Eule, die sich ihr abenteuerlustig anschließt und fortan stets neben Skylars Kopf fliegt, ähnlich stoisch, wie sich Daxter beim Wirbeln an Jaks Hals festklammert.
Skylar & Plux zeigt sich also ganz offen als das, was es sein möchte: Eine Hommage an ein Genre, dass erst seit kurzem wieder ein wenig Aufwind bekommt, und darin an einen Vertreter, der seit seinem missglückten Mobilauftritt 2009 mit Jak & Daxter: The Lost Frontier völlig ohne Liebe dasteht. Und dies sei vorweg gesagt: Skylar & Plux macht das toll. Wenn man sich nicht völlig daran aufhängt, dass die Entwickler hier ganz offensichtlich Teile vergangener Spiele kopieren und bekannte Szenarien neu mischen, sieht man sich einem kurzen, aber wunderschönen 3D Jump & Run gegenüber. Eines, dass spielerisch besser als Yooka-Laylee und politisch unbedenklicher als A Hat in Time ist.

Auf Clover Island begegnen Skylar und Plux einem antiken Artefakt in Stöpselform — dem Syphon, hihihi — das mit drei Sicherungen gegen Machtübergriffe und anderen Schabernack geschützt ist. Natürlich hat sich der böse CRT (seines Zeichens Röhrenfernseher mit großen Grapschehändchen) eine der Sicherungen geklaut, die anderen beiden sind daraufhin in ihre Erschaffertempel zurückgekehrt. Skylar darf sich nun also der Reihe nach durch die klassischen Schnee-, Wüsten- und Lavagebiete kämpfen, um die Sicherungen zurück zu bekommen. Dabei hat nicht nur jedes Gebiet einen eigenen Kniff, der es zumindest teilweise vom genretypischen Elementebrei abhebt, sondern auch ein nettes neues Gadget für Skylars Roboarm.
Besonders erwähnenswert scheint mir der sehr vertikale Aufbau der Level, ein Ansatz, den die wenigstens 3D-Jump & Runs verfolgen. Dabei bietet es sich hervorragend an, ein Spiel, in dem es ums Hüpfen, Schweben und Katapultieren geht, nach oben hin zu öffnen und nicht vor allem in weite Ebenen, wie das etwa Yooka-Laylee tut. Skylar springt mithilfe ihrer Gadgets und diverser Plattformarten immer höher einen Berg, einen Baum oder eine Fabrik hinauf, wird dabei mit Collectibles belohnt, die sich oft erst auf den zweiten Blick finden lassen — etwa von weiter oben nach unten — und steht am Ende eines Parcours auch nicht gelangweilt mitten in der zu Ende erkundeten Pampa, sondern hat immer eine Teleportstation parat, um wieder zum Anfang zu kommen.
Der Schwierigkeitsgrad des Spiels ist dabei sehr gut austariert. Als Hüpfspiel-Connoisseur spiele ich das Spiel zwar meistens mit verbundenen Augen, muss mich aber für die stressigeren Passagen genug konzentrieren, um Spannung aufkommen zu lassen. Bei mir punktet das Spiel vor allem durch die perfekte Steuerung und die flüssigen Animationen. Viel Arbeit floss in Skylars Bewegungen. Als jemand, der der HD-Collection der Jak & Daxter-Trilogie noch jährlich einen Besuch abstattet behaupte ich, dass sich Skylar auf den Punkt wie Jak anfühlt. Das ist ein riesiges Kompliment, schließlich hat Right Nice Games, das im Kern aus zwei Personen besteht, vermutlich nicht so viel Ausstattung und Erfahrung wie Naughty Dog in den frühen 2000ern. Da fällt dann auch das einzige große spielerische Manko nicht mehr ins Gewicht: Das Checkpointsystem entstammt wie auch der Rest der Spielidee den frühen Zweitausendern, und genau wie damals macht es auch heute keinen Spaß, die Hüpfstrecke und Sammeleinlagen der letzten fünf Minuten wiederholen zu müssen. Glücklicherweise bin ich in Skylar & Plux eher selten gestorben, da die Kamera und die Steuerung immer gute Kumpels blieben und keinen Mist bauten.

Ein sauberer Spaß?

Was mir eine besonders absurde Befriedigung beim Spielen von Skylar & Plux bereitet ist die Tatsache, wie ’sauber‘ es sich anfühlt. Damit meine ich nicht das Spielgefühl, dem ich schon genug Lob habe zukommen lassen, sondern den Umstand, wie moralisch vertretbar ich das Spiel auf mehreren Ebenen finde. Zunächst einmal ist der ganze Spaß absolut kinderfreundlich — sehr viel kinderfreundlicher als etwa Yooka-Laylee, das nicht nur mit Vierte Wand-Brechern um sich wirft, sondern sich auch den ein oder anderen anzüglichen Witz traut. Zwar erfüllt Plux in gewisser Weise eine ähnliche Rolle wie die großmäulige Laylee, die gedroschenen Gags sind aber deutlich zahmer. Beispiele wie eine kurze, gesungene Zeile „Final Countdown“, bevor der Lavapegel steigt, fand ich dennoch sehr amüsant, auf eine Art eben, die offensichtlich genug für Kids und dennoch popkulturell ansprechend für Erwachsene ist.
Und dann wirkt Skylar & Plux‚ Entwicklerteam auch noch, als bestünde es aus coolen Menschen. Zugegeben, das ist ein seltsamer Punkt für eine Spielereview; aber sensibilisiert von den kürzlichen Problemen mit A Hat in Times Inklusion des rassistischen YouTubers JonTron und den Sabotagevorwürfen von Künstlern gegen den Entwickler Jonas Kærlev fühlte ich für mich selbst das Verlangen, diese Gefahr bei Skylar & Plux auszuschließen. Zum Glück scheinen die beiden Stockholmer Hauptbestandteile von Right Nice Games, Eric J. Valentine und Leo Toivio keine solchen Problembären zu sein. Dass unter dem guten Dutzend weiterer Mitentwickler, Animatoren, Grafiker und Musiker, die in den Credits mit aufgeführt sind, irgendein unangenehmer Trottel steckt, lässt sich letztendlich trotzdem nicht effektiv ausschließen. Ich bin mir ja noch nicht einmal sicher, ob ich es gut finde, mir zur Gewohnheit zu machen, Entwickler vor Kauf ihres Produkts auf ihren Online-Profilen zu filzen. In der momentanen Situation dieser Art Spiel, die vor so so gut wie jeder anderen für kindlichen Spaß stehen sollte, kam ich aber um diese Sorge nicht herum und bin froh, dass ich Skylar & Plux: Adventures on Clover Island in seiner Gesamtheit uneingeschränkt empfehlen kann.

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