Feature

Lieblingskritiken 2017: Die besten Videospielartikel des Jahres – Part 1

Die Zeit des Wechsels vom alten ins neue Jahr ist oft die einzige, in der wir uns bewusst Gedanken über die nähere Vergangenheit machen und versuchen, daraus zu lernen. Im Bereich der Videospiele ziehen unzählige Seiten daraus die Motivation, die Veröffentlichungen des letzten Jahres noch einmal Revue passieren zu lassen und die besten Spiele des Jahres zu krönen. Mich befremdete das immer ein wenig, denn bei all der Liebe für kürzlich veröffentliche Spiele bekamen all die Produktionen rund um jene Schätze kaum mehr einen zweiten Schub an Aufmerksamkeit, und schon gar keine Jahresendliste. Dabei sind so viele großartig recherchierte Artikel und emotionale Verteidigungen von Spielen langfristig wertvoll; ich würde sogar sagen, nicht weniger für die Ewigkeit als die Medien, mit denen sie sich beschäftigen. Aus dieser Motivation heraus entstanden die Lieblingskritiken, und ihr habt mir mit einer reichen Vielfalt an Einsendungen bewiesen, dass ihr ganz ähnlich über die Blogger, Journalisten, Podcaster und Videoproduzenten der Videospiel-Gemeinschaft denkt!

Dieses Jahr habe ich von euch ganze 42 Nominierungen für Texte und 15 für Audio- und Video-Produktionen erhalten. Das sind doppelt so viele Texte wie im letzten Jahr, in dem ich die Aktion zum ersten Mal ins Leben gerufen habe, und fünfmal so viel Audio/Video! Ich freue mich über alle Maßen über diese Statistik und hoffe, ähnliche Ergebnisse mit eurer Hilfe auch in folgenden Jahren, in denen ich die Lieblingskritiken erneut ausrufen werde, zu erreichen. Ich möchte mich an dieser Stelle ganz herzlich bei allen Bloggern und Seitenbetreibern bedanken, die ich anschreiben durfte und die sich bereit erklärt haben, eine eigene Bestenliste voller Lieblingskritiken zu veröffentlichen. Erst durch euch haben wir so viele Nominierungen erreicht!
Besonders herausragend in dieser Instanz der Lieblingskritiken ist, dass jede dieser Einreichungen nicht mehr nur ein simpler Link ist. Ihr alle habt Laudatios für eure liebsten Artikel des Jahres 2017 geschrieben, an denen Leser dieses Beitrages erkennen können, warum sie einen bestimmten Artikel lesen oder ein Video ansehen sollten. Das ist enorm hilfreich für das Wecken von Interesse und ich freue mich, dass wir damit den Autoren und Produzenten hoffentlich einen Boost an Motivation und Anerkennung zukommen lassen können! Ich hoffe, diese Liste kann als eine Referenz dienen, wenn wir in einigen Jahren zurückblicken auf das Jahr 2017 und nach einflussreichen Produktionen oder vergessenen Texten suchen.

Aufgrund der Anzahl der Einreichungen habe ich mich entschlossen, sie in drei gesonderten Listen zu veröffentlichen: Zwei gleichmäßig große mit den Artikeleinreichungen und eine mit allen Podcasts und Youtube-Videos, die es hier hin geschafft haben. So verkommt die Sammlung nicht am Ende doch noch zu einer anstrengenden, zu langen Linksammlung. Ohne weiteres Geplänkel darf ich euch nun also die ersten 21 eingereichten Lieblingskritiken des Jahres 2017 präsentieren!

  • Von „bikini armor“ und „boob plates“: Sind Frauenrüstungen ein Problem? von Aurelia Brandenburg,
    nominiert von Yannic Hertel auf videospielgeschichten.de

    Aurelia von Geekgeflüster ist nicht nur ein Füllhorn an geschichtlich faszinierenden Themen, sondern bereichert den Diskurs der Gaming-Blogosphäre stets mit einem weiblichen Blick auf die Dinge. Umso interessanter, wenn beide Welten aufeinander prallen.
  • Stimmen hören: Hellblade zeigt uns ein anderes Bewusstsein (Auch auf ArchaeoGames) von Rainer Sigl,
    nominiert von Yannic Hertel auf videospielgeschichten.de, Sylvio Konkol auf spielkritik.com und Pascal Wagner

    Yannic: Von märchenhafter Fantasy in die Abgründe der menschlichen Psyche: Rainer Sigl geht auf Spurensuche in Hellblade: Senuas Sacrifice. Während sich die ganze Landschaft der Spielkritik mit der besonderen Rolle von Senua als Mensch mit Psychose auseinandersetzt, zeigt Sigl, dass das, was wir als normal bezeichnen nicht immer so galt.

    Sylvio: Hellblade gibt dem Spieler sehr viel – was es relativ leicht macht, viel über dieses Spiel zu sagen. Dass am Ende trotzdem fast nur die Psyche der Protagonistin im Vordergrund steht, ist etwas ernüchternd. Rainer Sigl hingegen gelingt es, die Psyche der Heldin einmal nicht an heutigen Maßstäben zu messen, sondern in den Kontext ihrer Zeit und der sie umgebenden Kultur zu stellen. Auf diese Weise tritt der Blickwinkel der „Erkrankung“ in den Hintergrund und die Frage nach „Bewusstsein“ nach vorn. Das Ergebnis ist ein Artikel, der nicht nur Lust auf Hellblade macht, sondern auch unser heutiges Verständnis von psychischer Erkrankung in geschichtliche Relation setzt. Foucault würde approven.

    Pascal: Rainer Sigl hat mir auf ArchaeoGames anhand Hellblade die Augen dafür geöffnet, dass unser Verständnis von Psychologie sich nicht auf die Denkweise vergangener Epochen anwenden lässt.
  • Die Reise zum Leid der Anderen – Videospiele im Licht des Dark Tourism von Dominik Schott,
    nominiert von Yannic Hertel auf videospielgeschichten.de und Cäcilia Sauer auf schraeglesen.de

    Yannic: Düster und genauso interessant wird es in Dom Schotts Beitrag auf Archaeogames. Der studierte Archäologe geht dort nicht nur auf virtuelle Zeitreise, sondern beweist mit beeindruckendem Geschick, dass er die Geschichte hinter den Geschichten sieht. In “Die Reise zum Leid der Anderen – Videospiele im Licht des Dark Tourism” erkundet er auf berührende und respektvolle Art und Weise die Faszination, die uns zu vergangenem Gräuel führt.

    Cäcilia: Der Tod hat den Menschen schon immer besonders fasziniert – da kann ich mich nicht vollkommen ausschließen. Dom Schott von ArchaeoGames hat sich in “Die Reise zum Leid der Anderen – Videospiele im Licht des Dark Tourism” dem teilweise doch sehr morbiden Dark Tourism angenommen und anhand vom Indie Game Town of Light gezeigt, warum der auch seine guten Seiten haben kann. Ein sehr spannender Beitrag mit vielen historischen Hintergründen, eben genau so, wie man es von dem studierten Archäologen gewohnt ist.
  • Frauen als Trashmobs von Gudrun Hoffmann-Schoenborn,
    nominiert von Aurelia Brandenburg auf geekgefluester.de und Stefan

    Aurelia: Guddy widmet sich auf Fried Phoenix immer wieder wie ich finde sehr interessant Gender-Themen und mit Artikeln wie diesem beweist sie immer wieder, dass scheinbar feministische Themen eben doch alle etwas angehen. – Ganz zu schweigen davon, dass ihre Beobachtungen auch einfach spannend sind.

    Stefan: Er zeigt eine Seite des Feminismus auf, die sonst wenig beachtet wird klug gedacht und schön formuliert.
  • 5 Gründe, warum Videospiele Kunst sind von Goldfuchs,
    nominiert von ebender

    Videospiele werden einfach immer noch zu oft als „Kinderkram“ oder „Zeitverschwendung“ gesehen. Nichts, worüber man ernsthaft schreiben könnte oder seine Zeit damit verbringen sollte. Ich möchte mit dem Beitrag gerne damit aufräumen und zeigen, warum Videospiele genauso als Kunst gehandelt werden können wie Filme oder Bücher.
  • Freunde sind wie… von Pascal Wagner,
    nominiert von Sylvio Konkol auf spielkritik.com

    Freundschaft in Videospielen – falls sie überhaupt einmal eine Darstellung erfährt, dann meist in RPGs und verwandten Genres aus Japan. Ein seltsam selten betrachtetes Thema, dessen Pascal Wagner sich in diesem Artikel annimmt. Dass er dabei nur an der Oberfläche kratzt tut der Kurzweiligkeit des unterhaltsam geschriebenen Artikels keinen Abbruch. Bleibt nur die Frage: Sind Freunde nun wie Küchenmaschinen oder doch eher wie Lootboxen? Ich werde darüber nachdenken, wenn ich endlich einmal Tokyo Mirage Sessions weiterspiele…
  • Recycelte Welten: Die Quests der Anderen von Sylvio Konkol,
    nominiert von Aurelia Brandenburg auf geekgefluester.de

    Ich mag Gedankenspiele, ganz besonders, wenn sie sich um Erkundungsmöglichkeiten Spielen und ihren Welten drehen. Schon der Gedanke, eine Spielwelt zu „recyceln“, ist ein wie ich finde sehr spannender Ansatz und macht den gesamten Artikel zu einem meiner Lieblingsgedankenspiele des Jahres.
  • Torment: Tides of Numenera – Stürmische Gezeiten von Caroline Valdenaire,
    nominiert von Christina Kutscher

    Carolines Review ist mir im Kopf geblieben – möglicherweise weil sie ein komplexes Spiel ziemlich gut erklärt.
  • Es herrscht zu wenig Europa in Videospielen von Yannic Hertel,
    nominiert von Aurelia Brandenburg auf geekgefluester.de

    Nicht-amerikanische Perspektiven sind im Mainstream der Videospielwelt normalerweise Mangelware und die Idee, das mit mehr Europa aufzubrechen, finde ich interessant. Abgesehen davon stecken in „Es herrscht zu wenig Europa in Videospielen“ von Yannic Hertel insgesamt viele spannende Ansätze, was den Artikel zu einem sehr lesenswerten Input macht.
  • Just Feel: Sex in Videospielen von Sascha Kretzschmar,
    nominiert von Aurelia Brandenburg auf geekgefluester.de

    Der Artikel ist mir vor allem gut in Erinnerung geblieben, weil ich ihn gelesen habe, als das Thema von Sex in Videospielen gerade etwas überpräsent, aber uninteressant war. Mit Mass Effect: Andromeda war das Thema zwar mal wieder aktuell, aber neue Ideen hat das Spiel auch nicht gebracht. Die Idee, sich Sex in Spielen von einer anderen Richtung zu nähern und einen kreativen Indie-Titel dafür heran zu ziehen, finde ich da immer noch spannender.
  • Vom Tellerwäscher zum Säbelrassler: Wie ein Sklave die Gesellschaftsordnung der Orks an ihre Grenzen treibt von Dominik Schott,
    nominiert von Aurelia Brandenburg auf geekgefluester.de

    Das Schicksal von Tuhorn und Bubol, zwei ehemaligen Ork-Sklaven in Mittelerde: Schatten des Krieges, war eines der kreativsten und spannendsten Experimente, von dem ich dieses Jahr gelesen habe. Irgendwo einfach eine Spielerei, aber als solche fasziniert sie mich noch immer.
  • Titanfall 2: Womit haben wir das verdient? Von Jannick,
    nominiert von Predo

    Jannick kotzt sich einfach sehr schön aus, auch wenn die Fäkalsprache etwas drüber ist, das alte Ferkel.
  • Und wer denkt an die Kinder? – Kinderdarstellungen in Spielen von Nora Beyer,
    nominiert von Cäcilia Sauer auf schraeglesen.de und Pascal Wagner

    Cäcilia: Kinder: Entweder man hasst sie, oder man liebt sie. In Videospielen wohl aber meist eher ersteres. Kein Wunder also, dass sich bisher noch niemand ausgiebig Beitrag mit ihnen verfasst hat (zumindest nicht, dass ich wüsste). Im Rahmen des GASTSPIELER-Spezials auf SPIELKRITIK hat Nora Beyer das aber geändert und einen ganzen Beitrag den ungeliebten Knöpfen gewidmet. Mit zahlreichen Anwendungsbeispielen und ausführlichen Einordnungen.

    Pascal: Nora Beyer schreibt über Kinderdarstellung in Spielen auf eine so kritische und ausführliche Art, wie ich zuvor noch keine Auseinandersetzung mit dem Phänomen gesehen habe!
  • Hauptstädte in Civilization VI von bdbjorn,
    nominiert von Sylvio Konkol auf spielkritik.com

    Exemplarisch für eine ganze Reihe von geschichtswissenschaftlich fokussierten Artikeln zu unterschiedlichen Spielen, vor allem aber der Civilization-Reihe, sei dieser Beitrag des „Videospielhistorikers“ erwähnt: Mit leichter Hand und bemerkenswerter Akribie geht der Autor der „Hauptstadtfrage“ von Civilization auf den Grund und kommt zumindest im Falle von Teil VI zu einem eindeutigen Ergebnis.
  • Der verspielte Buchstabe von Cäcilia Sauer,
    nominiert von Pascal Wagner

    Cäcilia schaut sich in diesem Beitrag nicht an, was Spiele schreiben, sondern wie sie es tun! Fonts und Typographien sind wichtig in jedem Spiel, aber selten beachtet. Cäcilia repariert das.
  • Blackwood Crossing: Eine Zugfahrt, die ist traurig von Wibke Weigl,
    nominiert von Florian Zandt

    Wibkes Begegnung mit dem Tod und ihre Erinnerung daran.
  • „Angst ist eine der wichtigsten Emotionen“ von Daniel Ziegener,
    nominiert von Florian Zandt

    Daniels Auseinandersetzung mit dem Unheimlichen.
  • Ein Spaziergang durch Masyaf, die Hauptstadt der Meuchelmörder in Assassin’s Creed 1 von Dominik Schott,
    nominiert von Daniel Ziegener auf lostlevels.de und Florian Zandt

    Daniel: Dom Schott begab sich für sein neues Projekt Archaeogames auf Städtetour. Der Artikel dient nicht nur als Zeitreise zu den Anfängen des Open-World-Genres, sondern demonstriert auch die Schnittstelle zwischen virtuellen Nachbauten mittelalterlicher Städte und deren Wert für echtes Geschichtsverständnis.

    Florian: Dominiks Zeitreise ins Masyaf des ersten Assassin’s Creed.
  • Blast from the Past: Wonder Boy von Fabu,
    nominiert von Daniel Ziegener

    Über Pommesbuden, Kindheitserinnerungen und Wonderboy hat Fabu einen Text geschrieben, der tausendmal ehrlicher wirkt als viele verklärte Anekdoten.
  • „Historische Korrektheit“ von Fantasy-Welten ist Quatsch von Aurelia Brandenburg,
    nominiert von Daniel Ziegener

    Mit diversen Fantasy-Klischees befasst sich Aurelia in ihrem Blog, z.B. dem unsinnigen Totschlagargument „historischer Korrektheit“.
  • For One Day Soon, The Dawn Will Come – Dragon Age von Tabea Marei Eckl,
    nominiert von Yannic Hertel auf videospielgeschichten.de und Aurelia Brandenburg auf geekgefluester.de

    Yannic: In der Gastpostreihe „Herzenswelten“ erzählen dort 12 Blogger 2017 immer am ersten Samstag im Monat von den Büchern, Spielen, Filmen oder Serien, die sie lieben. In dieser Reihe erschien im November 2017 “Herzenswelten: „For One Day Soon, The Dawn Will Come“ – Dragon Age”. In diesem Herzensbeitrag erzählt die Autorin Tabea auf eine sehr berührende Art und Weise von ihren Erlebnissen in der fantastischen Welt von Dragon Age.

    Aurelia: Dieser Post über Dragon Age ist der wahrscheinlich persönlichste Text, den ich 2017 über ein Spiel gelesen habe, und genau deshalb mag ich ihn so sehr. Tabi beschreibt ein Gefühl von Hoffnung basierend auf einer schönen Botschaft, das ich gut verstehe und auch bei mir ein wenig einen Nerv trifft.
  • 4 Gedanken zu „Lieblingskritiken 2017: Die besten Videospielartikel des Jahres – Part 1“

    Kommentar verfassen

    Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

    WordPress.com-Logo

    Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

    Google+ Foto

    Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

    Twitter-Bild

    Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

    Facebook-Foto

    Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

    w

    Verbinde mit %s