Indie, Spielereviews

Reingelesen, reingehört: Doki Doki Literature Club!

Wie empfiehlt man eine Visual Novel jemandem, der gerne und viel spielt, aber bisher nichts mit dieser sehr nischigen Art an Videospielen anfangen konnte? Das letzte Mal, dass sich so viele Spieler wie jetzt gerade diese Frage gestellt haben, war vermutlich zum Release von 9 Hours, 9 Persons, 9 Doors auf dem Nintendo DS. Damals ließen sich viele Unentschlossene aber immerhin bestimmt über Hinweise auf der clevere Erzählung, den Mindfucks und den Escape Game-Räumen überzeugen.

Bei Doki Doki Literature Club! kann ich auf nicht so viele auf den ersten Blick überzeugende Argumente zurück greifen. Eigentlich sieht das Spiel sogar wie der Horror jedes Hardcore Videogamers aus: Als einziges männliches Mitglied in einem Hochschulclub voller süßer Mädels zu stecken und ausschließlich über Bildchen und Dialogoptionen auszusuchen, welche der Damen sich unsterblich in mich verlieben muss, ist so klischeehaft japanisch, wie es nur geht. Kein Gameplay, keine befriedigende Geschichte, keine ausgearbeiteten Charaktere, nur Stereotypen. Genau das erwartet man doch von Visual Novels. Und dann gibt es das blöde Spiel auch noch kostenlos auf Steam. Es kann also gar nichts taugen!

Tja, dem ist aber nicht so. Doki Doki Literature Club! ist gegen Ende des Jahres zu einer Art Geheimtipp geworden, den sich Spieler hinter vorgehaltener Hand gegenseitig empfehlen, ohne zu verraten, wieso. Und auch wenn es mir Leid tut, euch hier so im Regen stehen zu lassen, werde ich es genauso halten. Versucht, euch auf den kaugummisüßen Stil von Doki Doki einzulassen, habt Spaß, macht euch über die Klischees lustig. Lasst euch nicht von der Triggerwarnung zu Beginn des Spiels davon abhalten, Sayori, Monika und die anderen süßen Mädels des Literaturclubs auf ihrem Abenteuer zu begleiten. Dahinter steckt, wie so oft, mehr, als der erste, kurze Spieldurchgang oder die Screenshots auf der Shopseite preis geben. Denkt doch zum Beispiel an Undertale. Das ist ja auch so viel mehr als ein nostalgisches Japan-Rollenspiel. So viel mehr.

So viel mehr.


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Dieser Einspieler zu Doki Doki Literature Club! entstand für den Runaways-Podcast #44 über das Indiespiele-Jahr 2017, bei dem ich zu Gast sein durfte!

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2 Gedanken zu „Reingelesen, reingehört: Doki Doki Literature Club!“

  1. Das Game war schon… was anderes. Das erste einschneidende Ereignis fand ich allerdings schon sehr fies. Ging sogar soweit, dass ich mir für meine Entscheidung dezente Vorwürfe gemacht habe und Zweifel aufkamen, mich in der Situation richtig entschieden zu haben. Aber es war doch recht spannend, auch wenn ich leider schon wusste, was der Clou des Spiels ist. Bin gespannt, was von dem Entwickler noch alles kommt!

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