Philosophie & Autoren

games without an army and a navy

Die Philosophie

Der jiddische Soziolinguist Max Weinreich hörte einmal von einem seiner Zuschauer folgenden Satz:

„Eine Sprache ist doch nur ein Dialekt mit einer Armee und einer Flotte.“

Weil er ihm so passend erschien, verbreitete er ihn über seine eigenen Publikationen weiter. Heute gilt der Satz als einer der Grundpfeiler der Erforschung von Sprache in gesellschaftlichen Kontexten. Aussagen soll er, dass es keine qualitativen Gründe dafür gibt, bestimmte Variationen einer Sprache als Standard zu betrachten, sondern lediglich gesellschaftliche. Jeder Dialekt hätte zum Standard werden können, wenn er zufällig die Sprache der herrschenden Klasse gewesen wäre, die den Standard festlegt.

Ähnliches geht mir seit geraumer Zeit im Videospielbereich durch den Kopf. Nicht Qualität legt Verkaufszahlen, Fangemeinde und die öffentliche Rezension fest, sondern PR-Geld, die Publishergröße oder ein günstiger Releasezeitraum. Das macht manchmal miese Spiele zu Kassenschlagern, ebenso wie echte Perlen zu traurigen Versagensgeschichten. Dagegen möchte ich etwas tun. Ich möchte, dass Spiele auch lange nach dem Release relevant sein können, nachdem man sie ausgiebig gespielt, beleuchtet und überdacht hat. Ich möchte Verbindungen knüpfen zwischen Politik, Wissenschaft und Spielen, möchte zeigen, dass sie mehr Relevanz haben als bloße Bespaßung unterm Weihnachtsbaum zu sein. Das Ziel ist, Spiele als das zu zeigen, was sie sind: Kunst, oft tiefgründiger als erst angenommen, manchmal eben nicht und hin und wieder auch ein kompletter Griff ins Klo. Videospiele sind Kulturgüter, die nicht immer bequem in vorhandene Schemata passen und doch oft auch dann in Parallelen beschrieben werden, wenn sie etwas Neues begründen. Die Texte auf Indieflock sollen diese Qualitäten – ob nun positive oder negative Eigenschaften – abseits der reinen Spielmechanik herausstellen.

Die Autoren

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Pascal alias FalseShepard hat Indieflock 2015 gegründet und sich besonders der Analyse von Indiespielen verschrieben. Er studiert Anglistik und Rechtswissenschaften in München und sucht deswegen gerne nach linguistisch und juristisch interessanten Themen in Spielen. Zu spielen angefangen hat er 1999 mit dem ersten eigenen GameBoy Color und Pokémon Blau – mit sechs Jahren. Danach wurde er aber schnell zum PlayStation- und in jüngster Vergangenheit zum PC-Spieler.

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Sascha alias Sirius Delta ist bekennender Allesspieler mit deutlichen Tendenzen zu Wirtschaftssimulationen und Aufbaustrategie, hat aber mit Minecraft die wunderbare Welt der Indiegames kennen und lieben gelernt und sich neuen Genres geöffnet. Die ersten Schritte in der Videospielwelt machte er mit dem NES in den frühern Neunzigern, nach dem Super Nintendo hat dann der PC einen Großteil seiner Lebenszeit beschlagnahmt. Dank seiner Aktivitäten als Musikproduzent steht für ihn auch die Musik in Videospielen sehr im Vordergrund.