Australien 2.0

„Ein Steam voll nichts zu spielen“ – das Gefühl, das viele Frauen vor ihrem Kleider- oder wahlweise Schuhschrank verspüren, kenne ich nur zu gut, wenn ich mich durch meine Steam-Library klicke und nicht weiß, von welchem Spiel ich mir denn nun die kostbare Lebenszeit abnehmen lasse. Auffällig ist dabei, dass es ein paar Spiele gibt, die sich immer wieder nach vorne drängen, selbst wenn dank eines Sales eine ganze Reihe noch ungespielter Spiele zur Verfügung steht. Banished ist eines davon.

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Spaß oder nicht Spaß…!?

… das ist hier die Frage. Im Laufe meines mittlerweile fast 25 Jahre währenden Zockerdaseins habe ich so einige Spiele auf meinen Konsolen und auf meinem PC erleben dürfen und mich damit bespaßt. Pascal wird in seinen Artikeln nicht müde, Videospiele als Kunst zu deklarieren, womit er zweifelsohne richtig liegt. Mit gewachsener Erfahrung und mit der Weiterentwicklung des Spielemarktes stelle ich allerdings immer mehr fest, dass der Spaß nicht unbedingt immer die Kategorie sein muss, die ein Spiel zum guten Kunstwerk macht.

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Hegemony III – Vielleicht nicht der „goldene“ Mittelweg

Dass Strategiespiele tot sein sollen, war für mich nie ein Thema. Die Zeit, die ich als Kind in Age of Mythology, Anno 1503 und Empire Earth gesteckt habe, verbringe ich heute ebenso freudig mit Civilization: Beyond Earth, Banished</em oder dem 17 (!) Jahre nach Veröffentlichung des Spiels erschienen zweiten Addon zu Age of Empires II. Gerade die Indie-Szene legt sich ja ganz besonders ins Zeug, wenn es um Strategie geht. Egal ob Basenbau-Echtzeit wie Banished oder Grey Goo auf der einen oder Rundenstrategiebrocken wie Endless Legend und Thea: The Awakening auf der anderen Seite, Indie got you covered. Clash of the Ancients, der dritte Teil der Hegemony-Reihe, lässt sich so richtig weder in die eine noch in die andere Ecke einordnen. Das gefällt mir nicht unbedingt, doch erinnert es mich an ein anderes Spiel aus meiner Kindheit.

Paradox ist ja heute berühmt für seine Grand Strategy-Reihen, die meistens in Echtzeit auf riesigen Karten ablaufen. Europa Universalis, Victoria, Crusader Kings – und vor ganz ganz langer Zeit auch ein kleiner, hässlicher Underdog namens Knights of Honor, den es mittlerweile auch für ein bisschen zu viel Geld auf Steam zu kaufen gibt. In Knights of Honor versuche ich, eine Europakarte zu erobern, indem ich mit Einheitenverbänden unter Kommandanten von Stadt zu Stadt ziehe und die gegnerischen dabei möglichst erobere. Dabei lässt sich das Spiel pausieren, generell läuft aber alles in Echtzeit ab. Städtebau verläuft über simple Schaltflächen, die die Siedlungen höchstens minimal optisch verändern, und Ressourcen produziert die Stadt nicht selbst, sondern zieht sie von Gehöften, Minen und Fischereien in ihrem Einflussbereich ein. Ziemlich genau so verläuft auch Hegemony III ab, was mich einerseits nostalgisch gefreut, andererseits bedenklich enttäuscht hat. Zugegeben, das militärische Micromanagement in Hegemony III: Clash of the Ancients ist um einiges tiefgründiger. Neben Sättigung und Moral hat jede Truppe auch eine Ausdauerleiste, die beim Ansturm auf Gegner verbraucht wird. Farmen, Minen und Weingüter müssen erst mit Gewalt erobert werden, bevor sie von Arbeitern oder Sklaven bemannt und mit Versorgungsrouten in die Stadt ausgestattet werden können.
Im großen Hauptszenario von Hegemony III versuchen wir übrigens, Italien unter einer Flagge zu vereinen – egal ob diese griechisch, illyrisch oder etruskisch ist. Ein zweites, winziges Szenario mit lediglich drei Städten existiert ebenfalls. Mehr hat Hegemony III inhaltlich nicht zu bieten, eine Kampagne oder einen Mehrspielermodus sucht man vergeblich. Und während das Hauptmenü im wunderschönen Stil einer antiken Vase gehalten ist, sieht das Spiel leider auch aus wie es sich spielt – wie von 2005.

Letztendlich ist dann auch nach einer Runde Vereinigtes Italien Schluss für mich mit Hegemony III. Sicher kann man den Mittelweg zwischen Grand Strategy und Echtzeit-Micromagement lieben. Ich kann mir jedoch mit meinem grundlegenden Verständnis von Strategiespielen nicht vorstellen, dass Hegemony dabei sonderlich gut wegkommt. Ich fühle mich dabei lediglich in ein schlecht erklärtes – wenn auch tiefgründiges -, altbackenes Wollmilchsau-Konzept geworfen, dem ich Knights of Honor noch etwas abgewinnen kann, weil man es damals nicht besser wusste. Vielleicht überzeugt mich irgendwann einer der neueren Paradox-Titel, bis dahin kehre ich zur Rundenstrategie zurück. Thea: The Awakening steht auf meiner Testliste.

Der Key zu Hegemony III: Clash of the Ancients wurde mir von Entwickler Longbow Games zur Verfügung gestellt. Besten Dank dafür.