Früher war alles jünger

Nicht alles war früher besser, aber vieles ist heute scheiße. Diese schwer anfechtbare Weisheit propagieren einige der schon länger dem Jugendalter entsprungenen Polyneux-Kollegen ohne Unterlass. Und auch wenn ich heute, was die Spielelandschaft angeht, einiges sogar ziemlich geil finde, muss ich dem gerade zustimmen. Einiges, was früher ganz gut war, ist heute nämlich ziemlicher Müll. Fast jeder hat das wohl beim Blick ohne rosarote Nolstalgiebrille auf das Lieblingsspiel irgendeines Bekannten schon festgestellt. Versteht sich fast von selbst, dass sich das nicht nur auf ganze Spiele beschränkt, sondern auch auf Spielkonzepte, Gameplaymechaniken oder etwa Grafikstile. Und wenn ein neues Spiel als Konglomerat solcher von damals zusammengeklaubter Stückchen nur die Nostalgieschiene reitet, um beachtet zu werden, dann kann es von vorneherein kein besonders gutes Spiel gewesen sein, oder? Au weia… „Früher war alles jünger“ weiterlesen

Wenn Spiele nerven…

Ich bin unerbittlich geworden, was Videospiele angeht. Wenn mir eines krumm kommt – ein Bug, der sich nicht durch erneutes Laden beheben lässt, eine furchtbares Inventarsystem, das mir die Menüführung vermiest – lösche ich es meist kurzerhand von der Platte und setze ein kleines x hinter seinen Namen in meiner Komplettierliste. Davon ausgenommen sind meist Spiele, in die ich viel Geld gesteckt habe. Dark Souls habe ich damals für 60€ neu gekauft, bin erbärmlich daran gescheitert, habe aber für Monate nicht aufgegeben. Allerdings war meine Spielesituation damals auch noch ganz anders. Steam war noch nicht so voller Kram, den ich unbedingt einmal ausprobieren wollte. Bundles waren noch nicht so berühmt und weit verbreitet, dass ich über achthundert Spiele in der Bibliothek hatte. Ich hatte zwar immer mehr als ein Spiel zur Auswahl, aber vielleicht drei oder vier, keine drei- oder vierhundert. Jetzt habe ich das, und ich frage mich, ob mich das unfair hat werden lassen.

Ein Beispiel: Gestern habe ich Psychonauts angefangen, um einen dieser „Das musst du doch kennen“-Titel von der Seele zu bekommen. Heute habe ich den ersten „Dungeon“ durchgespielt und mich auf den Weg zum zweiten begeben. Den Schlüssel dazu, einen roten Knopf, habe ich relativ schnell bekommen, mein Charakter Raz hielt ihn daraufhin stetig sichtbar in der Hand. Bis er das irgendwann nicht mehr tat, weil ich irgendetwas getan habe. Angegriffen, den Bildschirm gewechselt, Wegzoll bezahlt. Keine Ahnung. Als ich dann also am Schlüsselloch ankam, war der Knopf weg, und Raz erzählte mir ganz hilfreich, dass der aber perfekt da rein passen müsste. Keine Spur von dem Teil. Google sagt mir, ich habe ihn im Inventar. Da aber Psychonauts ziemlich sparsam mit der Erklärung seiner nicht ganz wenigen Tasten umgeht, habe ich keine Ahnung, wo das Inventar ist. Früher hätte ich gesucht, bis ich es gefunden hätte. Heute denke ich mir, das gepaart mit meiner Abneigung gegen den Grafikstil reicht doch als Eindruck, und bin kurz davor das Spiel zu löschen. Dabei hatte ich an sich durchaus Spaß mit dem Gehüpfe und Gesammle.

Aber wann immer ich auf ein Hindernis stoße, das nicht durch meine schlechte Leistung entstanden ist, blockiere ich heute. Ich käme nie auf die Idee Dark Souls zu deinstallieren, weil ich einen Boss nicht schaffe. Das liegt an mir, ich bin zu schlecht, also hab ich Pech gehabt und muss üben. Auch wenn ich mich ärgere oder mich über die unfairen Attacken des Drecksviehs auslasse. Aber ein Bug in einem Rätselraum bei Marlow Briggs, der nicht nach höchstens zwei mal Neuladen behoben ist? Runter damit, auch wenn es insgeheim weh tut. Wasteland 2 hat Menüs aus der Hölle? Ich habe es nach dem ersten Versuch nicht wieder angerührt, und nur der Release des Director’s Cut hat mich überhaupt noch einen Gedanken daran verschwenden lassen, es noch einmal zu versuchen.

Der Grund ist wohl schlicht, dass ich so viel zur Auswahl habe. Mit jedem Steam Sale wird die unsichtbare Last auf dem digitalen Regalbrett schwerer, und ich bin schon fast froh, wenn ich einen Grund habe, ein Spiel abzuhaken. Zudem ist Individualität ja bei dieser gigantischen Menge an verfügbaren Spielen kaum vorhanden. Wasteland gefällt mir nicht? Probiere ich eben Pillars of Eternity aus, bis auf das Setting schenkt sich das nicht viel. Psychonauts finde ich hässlich? Jak & Daxter oder Sly Raccoon bieten mir genauso viel Spaß beim Hüpfen. Warum Zeit mit etwas verschwenden, dass mich nur ärgert, wenn das gleiche, wenn auch nicht dasselbe, gleich um die Ecke wartet?
Vermutlich entgehen mir dadurch dutzende grandioser Spiele. Nein, auf jeden Fall, denn ich merke immer wieder, dass ich Spiele, denen ich eine Chance gebe, zu lieben lerne. Undertale etwa. Das Kampfsystem frustiert mich ungemein, und ich habe mich in winzigen Bröckchen durch meinen ersten Spieldurchlauf gequält. Aber nach Ende des Spiels muss ich zugeben, dass mir die Story wenigstens ein bisschen gefällt, und ich zumindest versuchen will, einen zweiten Durchlauf zu wagen. Nun ist Undertale kein gutes Beispiel für die positive Seite, weil mir das reine Spiel immer noch so wenig gefällt, dass der Gedanke an den zweiten Durchlauf mir Bauchschmerzen bereitet. Aber ich habe eine mir sympatische Facette daran entdeckt, indem ich mich durchgebissen habe. Vielleicht sollte ich Psychonauts also packen und die Zähne zusammen beißen? Dark Souls hat sich mir damals ja auch nicht an den Hals geworfen.