Indie, Spielereviews

Im Westen nix…farbiges

Spiele im Wilden Westen sind rar, und weil es so wenige gute gibt, wird dann auch noch meistens Red Dead Redemption als Paradebeispiel aufgezogen. Das Studio Asymmetric ist sich dessen bewusst und liefert nun mit West of Loathing endlich eine anspruchsvolle, historisch relevante Adaption des uramerikanischen Klassikerthemas. Weiterlesen „Im Westen nix…farbiges“

Feature

Cards against Gameplay – Minigames in großen Spielen

Ich bin gerade durch eine Twitterkonversation auf die Frage gestoßen, warum ich keinen Spaß an Minigames in größeren Spielen habe. Besonders fällt mir das immer bei Kartenspielen auf, es beschränkt sich aber nicht auf solche. Mich nervt The Witcher 3: Wild Hunts Gwent genauso, wie mich The Witcher 2: Assassin of Kings‘ Würfelpoker nervte. Fallout New Vegas Karawane ignoriere ich genauso geflissentlich wie seine Slot Machines und Black Jack-Tische. Und von Assassin’s Creeds zahlreichen Mühle-, Schach- und Pokervarianten möchte ich eigentlich gar nicht erst anfangen. Warum rege ich mich über diese Spiele aber so auf? Das ist doch alles zusätzlicher Inhalt, den ich komplett ignorieren kann, richtig? Gerade Gwent wird von allen geliebt, also muss da doch was dran sein, und ich kapiere es nur noch nicht richtig, oder? Nun ja.

Karawane litt vor allem unter der umständlichen Steuerung, war aber auch an sich kein besonders gut durchdachtes Spiel.
Karawane litt vor allem unter der umständlichen Steuerung, war aber auch an sich kein besonders gut durchdachtes Spiel.

Eigentlich liebe ich Kartenspiele. Von Kind an habe ich das Pokémon Trading Card Game und Yu-Gi-Oh! gespielt, letzteres besonders intensiv. Ich habe mir gern Scrolls von Mojang gekauft (das ja leider zum Scheitern verurteilt war), ich liebe Yu-Gi-Oh! Legacy of the Duelist (wie mein Test belegt) und ich halte mich nur von Hearthstone fern, weil ich fürchte, trotz meiner Abneigung gegen das klickibunte Warcraft-Universum dem von Blizzard angestrebten Sammelkartenwahn zu verfallen. Selbst Weiß Schwarz, ein Echtwelt-Kartenspiel, dass Lizenzen von unterschiedlichen Animes zu diversen Decks verarbeitet, habe ich mir gekauft (In der Persona 4-Version natürlich. Ich kann nicht nein sagen zu einem Themendeck um Naoto). Aber sobald ich die Aufforderung, eine Partie Sonstwas zu spielen, in meinem Questlog sehe, vergeht mir die Lust. Das mag sich auf einen simplen Tick von mir zurückführen lassen: Ich bin ein absoluter Komplettierer. Nicht nur in Hinsicht auf Trophäen, die ich stets alle freischalte, wenn es mir irgendwie möglich ist. Sondern auch im ganz klassischen Open World- beziehungsweise Rollenspielsinn. Wenn ich am Ende eines Spiel die Karte ein letztes Mal öffne, ist dort kein Fragezeichen mehr zu sehen, kein Ort unbesucht, und das Questlog ist leer. Und genau das verwehrt mit Gwent, so wie es mir Würfelpoker verwehrte, indem es mich mit einer einzig auf das entsprechende Minigame ausgerichteten Quest stets daran erinnert, dass ich etwas noch nicht getan habe. Etwas, das mir im Falle dieser beiden einfach keinen Spaß macht. Aber selbst wenn ich Gwent mögen würde, wäre ich ob dieser Quest verstimmt. Sie würde mich zwingen, etwas zu tun, das außerhalb jener Spielmechaniken liegt, für die ich den Titel spiele. Egal ob ich jetzt in diesem Moment Lust habe auf eine Party Gwent oder nicht – ich muss mit diesem Schmied spielen und gegen ihn gewinnen, weil ich mir sonst sowieso nicht merken kann, wessen Karten ich schon gewonnen habe und wessen nicht. Bei Karawane geht es mir ähnlich, aber das ist zum Glück nur an ein paar Trophäen gebunden, die sich schnell abhandeln ließen. Sie waren trotzdem meine letzten. Fallout: New Vegas hat mir nie die Chance gegeben, Karawane oder Black Jack mögen zu lernen, weil es mich zwang, mich ihnen zu widmen. Vom Poker in Red Dead Redemption gar nicht zu reden, das gleich in einer Hauptmission mit verbaut war. The Witcher 3 erinnert mich dauerhaft mit einer Quest daran, dass ich etwas verpasse, wenn ich mich nicht diesem Subgame hingebe, und allein das reicht mir, um keine Lust mehr darauf zu haben.

Einmal durchschaut ist Gwent keine Herausforderung mehr. Spätestens dann ging mir der Spaß vollkommen verloren.
Einmal durchschaut ist Gwent keine Herausforderung mehr. Spätestens dann ging mir der Spaß vollkommen verloren.

Aber Gwent ist doch toll, das sagen doch alle? Wenn ich ihm nur eine Chance geben würde, würde ich es sicher mögen. Dachte ich auch, aber nach zwanzig, dreißig Partien ist mir absolut unbegreiflich, wie man diesen seichten Zeitvertreib so in den Himmel loben kann. Sicher kann es Spaß machen, Karten zu sammeln, sein Deck auszubauen und die schwersten Gegner zu besiegen, indem man das Spiel austrickst. Aber um daran Genuss zu finden, wiegt mir gerade der letzte Punkt zu schwer. Nach ein paar Partien wird einem schon relativ gut klar, wie die immer gleichen Taktiken die immer gleichen Erfolge erzielen. Gwent und Karawane sind sich in der Hinsicht sehr ähnlich. Ein erfolgreiches Deck artet nach wenigen Partien in eine Gewinn-Monotonie aus, die auch unterschiedliche Gegner nicht durchbrechen. Gerade mir als Komplettierer sollte das doch Spaß machen, oder? Aber dafür ist mir der Prozess des Erreichens doch zu wichtig. Wenn der Weg zum sammelbaren Objekt unerträglich langweilig ist, dann lasse ich das Sammeln doch lieber. Ich bin keine gedankenlose Trophäenmaschine, ich komplettiere die Spiele, die ich damit ehren will, alles gemacht zu haben. Das schließt dann eben nicht nur die Riddler-Trophäen in Batman Arkham Knight aus, sondern auch das große Gwent-Turnier.