Indie, Spielereviews

Für Mütterchen Spieleindustrie

Russische Science-Fiction hat einen gewissen Ruf, dank Namen wie Asimov und Lukjanenko zumeist einen recht guten. In der Spielewelt allein sticht da sofort die Metro-Reihe nach Autor Dmitri Gluchowski heraus. So gut scheint der Ruf, dass selbst nicht-russische Entwickler sich dieser Assoziation bedienen wollen. Weiterlesen „Für Mütterchen Spieleindustrie“

Indie, Spielereviews

Hirnwegballer-Musiktherapie

Die musikalische Untermalung ist meiner Meinung nach einer der wichtigsten Punkte in jedem Spiel, weit vor Grafikqualität, Interfacedesign und manchmal sogar Artstyle. Mein heutiger Musikgeschmack ist ganz entscheidend geprägt durch die musikalischen Entdeckungen, die ich in vielen Jahren Videospielkonsum gemacht habe. Dank Brütal Legends, Fallouts und Bioshocks Lizenztracks bevölkern „echte“ Songs meine Playlist genauso wie eigens für das Spiel komponierte Stücke aus Transistor, The Binding of Isaac, Dragon’s Dogma und Terraria. Kein Wunder, dass ich mich sabbernd auf Rhythmusspiele stürze. Zumindest die, für die ich keine Zusatzperipherie brauche. Lust auf Rockband, Donkey Kong-Getrommel und Konsorten habe ich nämlich nie gehabt. Daher ist Amplitude auch mein erster Berührpunkt mit Genre-Althase Harmonix. Und das, obwohl das Spiel eigentlich selbst eher auf alte Fans ausgelegt ist. Denn die haben das Remake letztendlich ins Leben gerufen, ist Amplitude 2016 doch ein erfolgreiches Crowdfunding-Projekt.

Logischerweise steht und fällt ein Rhythmus-Reaktionsspiel wie Amplitude mit zwei Faktoren: dem punktgenauen Gameplay und der Musikauswahl. Letztere beinhaltet für mich leider einen dicken Wermutstropfen im Vergleich mit dem Original-Amplitude von 2003: Während es damals einige lizensierte Rocksongs und sogar ein David Bowie-Titel in die Auswahl geschafft haben, besteht die Tracklist von Amplitude 2016 zum Großteil aus eigens für das Spiel komponierten Elektrostücken. Die restlichen, tatsächlich lizensierten Tracks beschränken sich ebenfalls fast ausschließlich auf wenige, mir namentlich absolut unbekannte Genres innerhalb besagter Richtung. Dabei sind teilweise wahre Größen der Spielesoundtrack-Komposition vertreten. Danny Baranowsky gibt sich die Ehre mit einem Track aus Crypt of the Necrodancer, C418 von Minecraft-Größe hat einen eigens komponierten Titel beigesteuert, Darren Korb’s Transistor-Soundtrack ist ebenfalls vertreten. Diese Highlights treten sich jedoch leider relativ schnell platt zwischen dem – für mich nicht anders zu bezeichnenden – Technogeschradder. Das passt zwar spielerisch ganz hervorragend, weil man dabei bewusst viele Knöpfchen drücken muss, verleiten mich aber dazu, den Ton auf ein Minimum herunterzudrehen und mich höchstens noch am Bassbeat zu orientieren, wenn ich dasselbe Stück zum x-ten Mal zu perfektionieren versuche. Damit will ich die OST-Auswahl nicht komplett abwatschen, gelegentliche Highlights wie Jim Guthries Force Quit oder Harmonix‘ eigenes Dalatecht höre ich mir auch beim zwanzigsten Mal gern an. Ein Spiel wie Amplitude sollte mich aber doch in seiner Gesamtheit dauerhaft zur Nachbarschaftsbelästigung verleiten.

Thema Knöpfchen drücken: Amplitude spielt sich, indem ich auf den unterschiedlichen Tonspuren des ausgewählten Songs entlang fahre und darauf Noten entsprechende Buttons links, mittig und rechts im richtigen Rhythmus drücke. Protipp: Nach dem ersten gespielten Lied erst einmal Steuerung ändern, die Standardbelegung ist nämlich aus der Hölle. Glücklicherweise gibt es viele verschiedene Belegungen sowohl für Links- als auch für Rechtshänder, auch wenn meine bevorzugte (links und rechts auf L2 und R2, Mitte auf X) leider nicht existiert.
Entsprechend des Schwierigkeitsgrads und der Beat per Minute-Zahl des Songs wird das verständlicherweise zum Teil verflucht schwer und hektisch. Dabei ist der Sprung in den Schwierigkeitsgraden am deutlichsten zu bemerken. Während Beginner wirklich völlig lasch ist und selbst mich Rhythmusspiel-Neuling langweilt, legt Intermediate die Latte ein ganz beträchtliches Stück höher und ist eigentlich alles, was ich ertrage. Die drei darüber liegenden Schwierigkeitsgrade kenne ich nur aus Videos von echten Profis. Dafür fehlen mir drei bis sieben zusätzliche Finger.
Wer eine Vorstellung davon bekommen will wie sich das spielt oder wer Amplitude kennt und etwas ähnliches sucht, der kann sich übrigens einmal Theatrhythm: Final Fantasy Curtain Call (oder jeden anderen Teil der Theathrythm-Serie) ansehen. Im Prinzip spielt sich Amplitude wie eine vereinfachte Version dieser Spiele, wobei das Spurwechseln dem Wischen über den Touchscreen entspricht und das Halten der Taste komplett entfällt. Während mich in den Square Enix-Titeln die Songauswahl durch die Lizenzvorlage stets mehr begeistert, halte ich das Gameplay von Amplitude aber tatsächlich für eine Spur befriedigender.

Was mich an Amplitude am meisten überrascht und natürlich gefreut hat ist wie sehr es mich doch fesselt. Trotz seiner Einfachheit und der gewöhnungsbedürftigen Songauswahl konnte ich nicht eher davon ablassen, bis ich jeden Song auf dem mir möglichen Schwierigkeitsgrad mit dem maximalen Rating abgeschlossen hatte. Selbst das Freischalten der versteckten Songs macht Freude, so simpel das Fortschrittssystem auch ist: Spiele x weitere Songs, um den nächsten freizuschalten. Da ich sowieso ein wenig Übung gebraucht habe, um die vorherigen Stücke zu meistern, habe ich eigentlich nie auf die neuen Lieder warten müssen. Und letztendlich ist die Wiederholung vorhandener Songs ja auch Herzstück und einziger Sinn des Spiels, also warum sollte ich mich darüber beschweren. Auf Rockband habe ich zwar immernoch keine Lust (Was wirklich nur an der Peripherie liegt), aber Amplitude hat mir richtig Lust auf Musikspiele gemacht. Ich hoffe fast auf zusätzliche herunterladbare Songs, die allerdings hoffentlich einem besseren Preismodell folgen als es die üblichen Vertreter tun.

Zum Abschluss würde ich gerne einen der Original Tracks verlinken, der mir besonders gefallen hat. Leider gibt es keine reine Audiospur der Amplitude-Songs im Netz und Harmonix hat auf Nachfrage bestätigt, derzeit keine Pläne zur Veröffentlichung des Soundtracks zu haben. Sehr schade und definitiv eine verpasste Chance, auch wenn das vermutlich an Lizenzproblemen oder ähnlichem scheitert und Harmonix wenig dafür kann. Daher gibt’s jetzt einfach noch einmal Crypteque, weil man nie genug Danny Baranowsky in seinem Leben haben kann.

AAA, Spielereviews

Von alten Jägern lernt man das Töten

Ich habe mich lange darum herum geschlichen, über die Souls-Serie zu schreiben. Eigentlich verwunderlich, wo ich doch mittlerweile auch im AAA-Bereich so gerne über meine Lieblingsspielserien schwärme, ihnen mein Vertrauen ausspreche und sie anschließend von mir stoße. Bei Demons‘ Souls samt Erben bin ich jedoch stets schüchtern. Das liegt wohl vor allem daran, dass keine andere Serie für mich persönlich so nah an der spielerischen Perfektion liegt und ich daher wohl keine liebere Lieblingsserie habe als eben Souls. Einen imperfekten Text zu Fallout gestehe ich mir so weit zu, wie ich Bethesda auch ein Fallout mit verhunztem Dialogsystem verzeihe. An dem habe ich ja auch trotzdem Spaß. Aber einen nicht nahezu perfekten Text über die Souls-Reihe kann ich mir selbst genauso wenig verzeihen wie ich From Software den Smelter Demon oder die Royal Rat Authority durchgehen lasse. Leck mich, Dark Souls 2.
Perfektion in einem subjektiven Text über die Stärken und Schwächen eines Spiels ist natürlich Quatsch. Gut soll er trotzdem sein. Und nachdem The Old Hunters aus dem etwas zu kurz geratenen, aber dennoch fantastischen Bloodborne ein Meisterstück auf Höhe von Dark Souls: Prepare to Die macht, brennt es mir nun unter den Fingern, meine Meinung loszuwerden. Daher picke ich jetzt in meiner liebgewonnenen Absatzflut einige Aspekte vom Addon zu Bloodborne heraus und erzähle möglichst spoilerfrei, warum ich dem Hunter’s Nightmare am liebsten die Füße küssen würde.

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