Australien 2.0

„Ein Steam voll nichts zu spielen“ – das Gefühl, das viele Frauen vor ihrem Kleider- oder wahlweise Schuhschrank verspüren, kenne ich nur zu gut, wenn ich mich durch meine Steam-Library klicke und nicht weiß, von welchem Spiel ich mir denn nun die kostbare Lebenszeit abnehmen lasse. Auffällig ist dabei, dass es ein paar Spiele gibt, die sich immer wieder nach vorne drängen, selbst wenn dank eines Sales eine ganze Reihe noch ungespielter Spiele zur Verfügung steht. Banished ist eines davon.

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Der frühe Vogel baut eine Fabrik

…oder so ähnlich. Wie der Spruch wirklich ging, weiß ich nicht mehr genau. Das liegt wohl daran, dass ich nie der frühe Vogel war. Aber wozu auch? Denn was für mich viel entscheidender war: Die zweite Maus kriegt den Käse.

Und das ist wohl auch die perfekte Überleitung, denn bisher fragt ihr euch sicher: „Welchen Käse lese ich da gerade?“ Weiterlesen

Hegemony III – Vielleicht nicht der „goldene“ Mittelweg

Dass Strategiespiele tot sein sollen, war für mich nie ein Thema. Die Zeit, die ich als Kind in Age of Mythology, Anno 1503 und Empire Earth gesteckt habe, verbringe ich heute ebenso freudig mit Civilization: Beyond Earth, Banished</em oder dem 17 (!) Jahre nach Veröffentlichung des Spiels erschienen zweiten Addon zu Age of Empires II. Gerade die Indie-Szene legt sich ja ganz besonders ins Zeug, wenn es um Strategie geht. Egal ob Basenbau-Echtzeit wie Banished oder Grey Goo auf der einen oder Rundenstrategiebrocken wie Endless Legend und Thea: The Awakening auf der anderen Seite, Indie got you covered. Clash of the Ancients, der dritte Teil der Hegemony-Reihe, lässt sich so richtig weder in die eine noch in die andere Ecke einordnen. Das gefällt mir nicht unbedingt, doch erinnert es mich an ein anderes Spiel aus meiner Kindheit.

Paradox ist ja heute berühmt für seine Grand Strategy-Reihen, die meistens in Echtzeit auf riesigen Karten ablaufen. Europa Universalis, Victoria, Crusader Kings – und vor ganz ganz langer Zeit auch ein kleiner, hässlicher Underdog namens Knights of Honor, den es mittlerweile auch für ein bisschen zu viel Geld auf Steam zu kaufen gibt. In Knights of Honor versuche ich, eine Europakarte zu erobern, indem ich mit Einheitenverbänden unter Kommandanten von Stadt zu Stadt ziehe und die gegnerischen dabei möglichst erobere. Dabei lässt sich das Spiel pausieren, generell läuft aber alles in Echtzeit ab. Städtebau verläuft über simple Schaltflächen, die die Siedlungen höchstens minimal optisch verändern, und Ressourcen produziert die Stadt nicht selbst, sondern zieht sie von Gehöften, Minen und Fischereien in ihrem Einflussbereich ein. Ziemlich genau so verläuft auch Hegemony III ab, was mich einerseits nostalgisch gefreut, andererseits bedenklich enttäuscht hat. Zugegeben, das militärische Micromanagement in Hegemony III: Clash of the Ancients ist um einiges tiefgründiger. Neben Sättigung und Moral hat jede Truppe auch eine Ausdauerleiste, die beim Ansturm auf Gegner verbraucht wird. Farmen, Minen und Weingüter müssen erst mit Gewalt erobert werden, bevor sie von Arbeitern oder Sklaven bemannt und mit Versorgungsrouten in die Stadt ausgestattet werden können.
Im großen Hauptszenario von Hegemony III versuchen wir übrigens, Italien unter einer Flagge zu vereinen – egal ob diese griechisch, illyrisch oder etruskisch ist. Ein zweites, winziges Szenario mit lediglich drei Städten existiert ebenfalls. Mehr hat Hegemony III inhaltlich nicht zu bieten, eine Kampagne oder einen Mehrspielermodus sucht man vergeblich. Und während das Hauptmenü im wunderschönen Stil einer antiken Vase gehalten ist, sieht das Spiel leider auch aus wie es sich spielt – wie von 2005.

Letztendlich ist dann auch nach einer Runde Vereinigtes Italien Schluss für mich mit Hegemony III. Sicher kann man den Mittelweg zwischen Grand Strategy und Echtzeit-Micromagement lieben. Ich kann mir jedoch mit meinem grundlegenden Verständnis von Strategiespielen nicht vorstellen, dass Hegemony dabei sonderlich gut wegkommt. Ich fühle mich dabei lediglich in ein schlecht erklärtes – wenn auch tiefgründiges -, altbackenes Wollmilchsau-Konzept geworfen, dem ich Knights of Honor noch etwas abgewinnen kann, weil man es damals nicht besser wusste. Vielleicht überzeugt mich irgendwann einer der neueren Paradox-Titel, bis dahin kehre ich zur Rundenstrategie zurück. Thea: The Awakening steht auf meiner Testliste.

Der Key zu Hegemony III: Clash of the Ancients wurde mir von Entwickler Longbow Games zur Verfügung gestellt. Besten Dank dafür.

Kingdom – Ich fälle gerne Bäume

Ich weiß nicht was ich tue. Zumindest weiß ich nicht, was ich damit auslöse oder bezwecke, wenn ich etwas tue. Klar, irgendwie kommt es darauf an, ein Königreich zu gründen. Und ein Ziel hat das Spiel laut Entwickler noio auch. Aber bisher habe ich noch keine Ahnung, was dafür zu tun ist. Ich erfreue mich einfach daran, wie geheimnisvoll, schön und widerlich schwer Kingdom ist.

Ich fälle gerne Bäume, weil mir klar ist, warum ich das tun sollte. Kingdom erklärt mir nicht, wozu die Dinge gut sind, die ich tun kann. Einige davon sind selbstverständlich. Werfe ich Bauern Geld hin, schwören sie mir die Treue. Beim Bogenmacher gibt es für zwei Goldstücke eine Waffe. Aber ich kann Schreine wiederaufbauen, kleine Bäche auf irgend eine Weise kultivieren, einen reisenden Händler dazu anstiften, sich in meiner Siedlung niederzulassen. Alles, indem ich ihnen Goldmünzen hinwerfe. Manches davon erklärt sich mit der Zeit, anderes nicht. Am Bächlein wächst mit der Zeit Weizen, ein Bauer mit Sichel kann diesen dann für viel Profit ernten. Der Händler? Keine Ahnung. Der Schrein? Gott bewahre, wahrscheinlich Teil der Siegbedingung, die ich mir nicht einmal vorstellen kann.
Bäume sind simpel. Für eine Goldmünze kann ich einen Baum fällen lassen. Das gibt mir eine Goldmünze für das Holz zurück, und der dichte Wald, der sich um meine Siedlung in Kingdom erstreckt, wird etwas lichter. Das legt vielleicht neue Bäche frei, oder neue Erdhügel, wo ich eine Mauer errichten kann. Bäume sind gut zu durchschauen. Sie sind mir sympathisch.

Aber ich bin mir sicher, ich reite mich zuverlässig selbst ins Verderben, wenn ich weiter fröhlich Bäume fälle. Nachts kommt nämlich das Böse in Form von kleinen Männchen in meine Siedlung, klaut Bögen, Hämmer und Sicheln und versucht in letzter Instanz an meine Krone heranzukommen. Keine Krone, kein Königreich, Game Over. Abhalten kann ich die kleinen Biester mit Wällen, Bogenschützen und Wachtürmen. Irgendwann reicht das aber nicht mehr; es werden einfach zu viele. Helfe ich den Monstern beim Angreifen, wenn ich den Wald lichte? Mache ich sie damit auf mich aufmerksam? Wie kann ich mein kleines Königreich verteidigen, wenn mir die Felsen ausgehen, auf die ich Türmchen bauen kann? Ich habe keine Ahnung. Aber Kingdom macht daraus ein Rätsel, dem ich mich gern hingebe. Ich fühle mich wie damals, als ich Pokémon Blau gespielt habe, ohne das Lesen zu beherrschen. Irgendwann stelle ich fest, dass Bisaflor Level 57 zu schwach ist, um die Pokéliga allein zu bezwingen, aber zu stark, um sich noch sinnvoll ein neues Team zusammen zu fangen. Also fange ich von neuem an. Bin diesmal vielleicht kein König, sondern eine Königin, und errichte mein Reich von neuem.