Leaving Lyndow: Verlassen, aber nicht verloren

Wie so manch anderer, der die Fahne für Spiele als wichtiges Kulturgut im Allgemeinen und Indiespiele als Schätze im Besonderen hochhält, neige ich vermutlich zur Überhöhung. Manche, viele, Spiele haben eine Botschaft, die es sich zu erkennen lohnt und über die ich dann auch schreiben möchte. Manchmal finde ich ein Spiel so toll, dass ich ihnen einfach viel mehr zutrauen möchte als sie sich selbst. Dann schreibe ich, spekuliere, mache mich vielleicht auch ein bisschen zum Hirsch. „Leaving Lyndow: Verlassen, aber nicht verloren“ weiterlesen

Jener Drache, Trauer

Einen Gottesdienst zu besuchen, kann etwas sehr heilsames für einen Atheisten sein. Es holt einen raus aus der Denkart, die man sich in der eigenen Filterblase des Internets als Nichtglaubender so selbstverständlich aneignet: Dass diejenigen, die ernsthaft gläubig in die Kirche gehen, bedauernswerte Schafe sind oder verblendete Realitätsferne. „Jener Drache, Trauer“ weiterlesen

Beantwortet ihr mir eine Frage?

Als jemand, der sich wohl dessen bewusst ist, dass er zu wenig Leser hat, um mit Kommentaren zu rechnen, muss ich trotzdem diese eine Frage stellen und hoffen, dass ihr mir antwortet: Wenn ihr meine Texte lest, fühlt es sich dann so an, als würdet ihr mich kennenlernen?

Früher habe ich das gedacht. Ich habe wie selbstverständlich eigene Vorlieben in den Text eingebaut. Mich auf ältere Reviews bezogen, um auszudrücken, in welchen Genres ich mich am liebsten bewege. Ich war der Überzeugung, die eigenen Texte machen jeden Schreiber zu einem offenen Buch, zumindest was seine Meinungen angeht. Der hier ist ein Metal Gear-Fanboy. Der hier spielt nur Indiegames, der hier kennt sich besonders gut mit Rennspielen aus. Auf dieser Ebene stimmt das auch. Anhand solcher Vorlieben sucht man sich schließlich auch aus, wessen Reviews man liest oder wessen Videos man sich gerne ansieht. Ich gucke die Videos von Tom und Robin ja, weil sie Indies, japanische Spiele und gute Stories zu schätzen wissen, genau wie ich, oder? Viele Menschen scheinen so zu denken. Gerade jüngere sind anfällig für den Gedanken, nehme ich an, oder wie entstehen sonst Fankulte wie die von Gronkh, DagiBee und wie sie alle heißen. Natürlich besteht da ein großer Unterschied zwischen Video, Spiel und Text. In Textform lassen sich Gefühle und Meinungen weit besser vortäuschen als vor der Kamera. Aber mit genügend Übung geht sicherlich auch das. Niemand kann mir erzählen wollen, dass diejenigen BeaTuber gute Menschen sind, die ihren Profit mit der Dummheit von Kindern machen, egal wie zuckersüß sie sich in ihren Vlogs geben.

Aber ich dachte auch immer, das geht tiefer. Ich dachte, an den Vorlieben, der Machart der eigenen Werke und dem Verhalten dem Publikum gegenüber ließe sich ablesen, was für ein Mensch man ist. Dass die Privatperson Pascal sich in den Texten von FalseShepard ganz klar ausdrückt. Sarkasmus hier, Sarkasmus da, oder? Und ich mag die Produktionen der beiden Jungs von Hooked ja auch und vor allem deshalb, weil ich mich mit ihrem Humor gut identifizieren kann. Weil ich sie sympathisch finde, selbst wenn ich ihre sachliche Meinung nicht teile. Also habe ich sie doch kennen gelernt?

Das „Früher“, von dem ich gesprochen habe, war vor wenigen Tagen. Dazwischen habe ich The Beginner’s Guide gespielt. Das ist das neue Spiel von Davey Wreden, dem Macher von The Stanley Parable. Er selbst kommt darin auch vor. Das hier ist keine Review; ich werde kein Wort zu The Beginner’s Guide mehr verlieren. Ihr solltet es euch hier kaufen, es spielen, und wenn ihr euch dann noch daran erinnert, dass ich das hier geschrieben habe, würde ich mich freuen, wenn ihr mir meine Frage beantworten würdet.

Wenn sich tatsächlich Leute berufen fühlen, hierauf zu kommentieren, würde ich diejenigen gerne belohnen: Ich habe noch einen The Stanley Parable-Key übrig. Im unwahrscheinlichen Fall, dass jemand das noch nicht gespielt hat: Es ist ein großartiger „Walking Simulator“, wie manche sagen würden, mit wohl dem intelligentesten Spielaufbau, dem besten Humor und der raffiniertest versteckten philosophischen Kritik am Leben, die man mit der Source-Engine auf die Beine stellen kann. Unter denen, die sich Gedanken über The Beginner’s Guide hier unter dem Text machen, verlose ich also zufällig einen Key für The Stanley Parable. Shameless clickbaiting? Sure. Aber wen kümmert’s, auf dieser Ebene?